Robert Musil

Musil, Robert

Schriftsteller (1880-1942). Eigenh. Brief mit U. [Berlin] "Pension Stern, Kurfürstendamm 217. ¾ S. 4to.
7.500 € (77602/BN50070)

An den namentlich nicht genannten Franz Blei: "Der wahrhaftige Grund, warum ich Ihre beiden Briefe erst heute beantworte, ist der, daß man mir nicht die Zeit dazu läßt. Obwohl ich im Juni angekündigt hatte, daß ich nicht fertig werden könne, und die Versicherung bekam, daß man auf Grundlage der Zwischenveröffentlichung der einstweilen fertigen 600-700 Seiten, das Weitere ordnen werde, fand ich mich bei meiner Rückkehr in einer Situation des völligen Nichts. Ohne persönlichen bösen Willen, im Gegenteil bei persönlicher Anteilnahme, angesichts jener unpersönlichen kaufmännischen Theodizee, die sich einbildet, alles Üble rechtfertigen zu können.

Um die moralische Wirkung beiseite zu lassen: ich habe vierzehn Tage lang überhaupt ohne Geld gelebt und lebe bis zum heutigen Tag noch ohne Sicherheit des nächsten Monats. Geld vom Verlag war nur unter der Bedingung zu bekommen, daß ich in drei Monaten mit dem Rest des Buches fertig wäre, was ich zurückweisen mußte [...] Ich stehe also unter einem Druck, der kaum und auf die Dauer sogar sicher nicht auszuhalten ist. | Denken Sie nicht an Deutschland, solange es möglich ist! [...]". - Musil und seine Frau Martha erlebten die Anfänge des nationalsozialistischen Regimes in der Berliner "Pension Stern" und zogen im Mai 1933 weiter nach Karlsbad, später wieder nach Wien, ehe sie - vor allem Marthas jüdischer Abstammung wegen - im August 1938 ins Schweizer Exil gingen. - Winzige Einrisse an den Rändern im Mittelfalz..

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Musil, Robert

Schriftsteller (1880-1942). Ms. Brief mit eigenh. U. Wien. 2 SS. 4to.
9.500 € (77603/BN50071)

An den namentlich nicht genannten Franz Blei betr. der Mitarbeit an dessen Literaturzeitschrift "das silberboot": "Wenn ich mich frage, warum ich Ihnen so lange nicht geschrieben habe, obzwar es nicht am Wunsch fehlte, so finde ich, dass ich mir selbst ein Gegenstand der Unlust bin. Ich kann von mir nur erzählen, dass ich materielle Sorgen habe und dass der Roman von Zeit zu Zeit einen Ausblick auf das Ende gewährt, der dann wieder zuwächst. Natürlich gibt es auch in meinem Leben anderes, aber es spielt sich wie auf einem Schiff ab, das jeden Tag vom gleichen Horizont eingeschlossen wird: mit einem Wort, ich verbreite jene heroische Langweile um mich und befinde mich selbst in ihr, die man auf dem Meer empfinden mag; glücklicherweise mit Martha, die dafür Verständnis hat.

Ausnahmsweise ist heute etwas zu berichten, das nicht zum 'Schiff' gehört; es wird nämlich hier eine kleine Monatsschrift erscheinen, und ich fürchte nicht lange am Leben sein, die reine Literatur bringen will. Der zukünftige Herausgeber war vorgestern bei mir, und es zeigte sich, dass er Sie verehrt und einladen will, was ich überdies auch übernommen habe. Das Honorar ist so gering, dass ich es bereits wieder vergessen habe; aber unter den herrlichen Wirtschaftsverhältnissen Ihrer Insel könnte es irgendeine Kaufkraft haben [...]". - Franz Blei war 1932 nach Cala Rajada (Mallorca) emigriert und sollte einige Beiträge zu der von Ernst Schönwiese herausgegebenen Zeitschrift liefern..

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