George Grosz

Maler, Grafiker und Karikaturist, 1893-1959

George Grosz war ein deutsch-amerikanischer Maler, Grafiker und Karikaturist. Mit George Grosz werden vor allem seine der Neuen Sachlichkeit zugerechneten, sozial- und gesellschaftskritischen Gemälde und Zeichnungen in Verbindung gebracht, die überwiegend in den 1920er-Jahren entstanden sind und sich durch zum Teil äußerst drastische und provokative Darstellungen und häufig durch politische Aussagen auszeichnen. Typische Sujets sind die Großstadt, ihre Abseitigkeiten (Mord, Perversion, Gewalt) sowie die Klassengegensätze, die sich in ihr zeigen.

Quelle: Wikipedia

Grosz, George

Maler, Graphiker und Schriftsteller (1893-1959). Ms. Brief mit eigenh. U. Wohl Douglaston Manor, Long Island. 1 S. 4to. Auf Briefpapier mit gedr. Briefkopf.
2.500 € (59666/BN43385)

An "Erwin und Maria", d. s. Erwin und Maria Piscator: "In bedrückter Stimmung schreibe ich diesen Brief an euch, ich will euch bitten diese hässliche Scene in meinem Hause zu vergessen! Es ist mir schrecklich und irgend wie auch unbegreiflich wie sich eine Scene herzlichsten Willkommens in das Bild eines barroom brawls verwandeln konnte. Ob denn wirklich da ein 'gefährlicher' Zündstoff in einer Ecke unseres Gehirns aufgehäuft lag, oder wie alles gekommen ... ich kann es nicht entscheiden ...

ich nahe mich aber hier als ein bedrückter Mensch und würde den Verlust einer alten Freundschaft bedauern. War es nicht der Alkohol, der das 'Streitbare' entfachte ... ich bedauere viele meiner Äusserungen, sie waren nachher verflacht und vergiftet durch Alkohol ... und gemischt vielleicht auch durch jene sonderbaren 'fixen' Ideen ... die wir wohl mehr oder weniger alle haben ... die aber der gefügige Alkohol losbricht wie tauende Eisschollen. Du bist viel zu klug ein Mann, wirst sagen ... 'ja mein Lieber, eben darauf kommt es an, das ist eben der wirkliche der echte Mensch der dann hervorbricht['] ... ich glaube das nicht ... diese paar prozent 'Fenster-einschmeisse-sehnsucht' ... diese bei mir vorhandene 'Krakehlsucht' [!] ist hässlich, dürftig und bestimmt das andere dreiviertel meines Wesens denn doch nicht! Natürlich fühlte ich wie das Gespräch uns aus den Händen glitt ... aber alsdann, anstatt der sauberen Fingernägel mir Krallen wuchsen ... war ich schon längst nicht mehr ganz ICH selbst ... d. h. ich war vergiftet und so to speak bereits in einem Reich der Gespenster von gestern und der Idée fix[e]. Das ist alles. Ich bitte Maria mir vergeben zu wollen ... es tat mir absolut leid das[s] die Frauen und später Koischwitzens Zeugen einer so schrecklichen Aufführung wurden. Das muss ich sagen. Ich hatte mich ehrlich gefreut euch beide wiederzusehen, ging auf und ab, und die Flaschen die ich für einen welcomedrik aufs bord stellte waren nicht 'vergiftet' [...]". - Am linken und rechten Rand etwas beschnitten. - Unterm 18. I. 1939 abgedruckt in: George Grosz. Briefe 1913-1959. Reinbek bei Hamburg, Rowohlt, 1979, S. 279-280..

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Grosz, George

75 (49 eigenh. und 26 ms.) Briefe und 10 eh. (Bild-)Postkarten, meist mit eh. U.
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Freundschaftliche Korrespondenz mit seinen Freunden und Gönnern Bernard und Rebecca Reis über u. a. den Schriftsteller Hermann Borchardt, der über Betreiben von Grosz, Brecht und Max Warburg im Mai 1937 aus dem Konzentrationslager Dachau entlassen worden war und in die USA emigrieren durfte, Grosz' Bekanntschaft mit John Dos Passos, über gemalte, verschenkte, verkaufte (und zum Teil nicht bezahlte) Bilder und seine finanzielle Lage. "I got word, the friend of ours you signed the affidavit for - is coming now on the Deutschland 18th of June this week - Bernard now it is necessary in order to get him from the boat, that you have to come down to the pier - and please, anyway, take some money with you - you know sometimes (if they are nasty) they ask for that - I d'ont [!] think we will have any difficulties - but Eva wrote me about our friend and I think she got that advise from the U. S. consul in Berlin. Hans [d. i. Hermann] Borchardt was released recently from the conc. camp - and he was still trembling and shaking - and one hand is still hurt (something happened to him) he is going to stay with us […]" (15. VI. [1937]). - "[…] (You see Dos Passos is in town and so I must go to him, as he has no time in the afternoon leaving for Cap Code [!] - we [are] working together on those titles for the plates in the book)" (undat.; bei dem Buch mag es sich um die von Imre Hofbauer 1948 hrsg. und mit einem Vorwort von Dos Passos versehene Werkmonographie "George Grosz" gehandelt haben). - "Thursday John Dos Passos came for a visit and stayed overnight. He was in good spirits and one hardly recognised that one eye is artificial. He seems to work on a new novel and that is very good for his mind I think" (3. I. 1948; Dos Passos hatte am 12. September des Vorjahres bei einem Autounfall seine Frau und ein Auge verloren). - "This year seems not to[o] good - but the life of an artist is (financial [!] speaking) very often like riding in a Berg+Thalbahn - up & down - up & down again" (28. III. 1945).