Wilhelm von Wymetal

Wymetal, Wilhelm von

Choreograph und Regisseur (1890-1970). Eigenh. Brief mit U. New York. 21.12.1922. 2 SS. 4to.
$ 130 / 120 € (942575/BN942575)

An einen Arzt mit großer Abneigung gegenüber der Stadt New York, über sein hohes Arbeitspensum und seine Gesundheit: "Erstens habe ich bisher gearbeitet wie ein - nein, wie drei Pferde (gegen die 'Metropolitan' ist jedes deutsche Theater ein Sanatorium für schwer Nervenleidende!), und dann nimmt mir die 'Familiencorrespondenz' so viel Zeit weg, dass ich kaum hie und da dazu komme eine Ansichtskarte zu schreiben. Ausserdem bin ich auf meine Schreibfaulheit sehr stolz - es ist das Einzige, das ich mit Göthe und Napoleon gemein habe! Ansonsten fühle ich mich hier gottverlassen und höchst unbehaglich, in dieser unschönen, schmutzigen, kulturlosen Stadt, die mit Amerika eigentlich gar nichts zu tun hat, sondern nur ein Sammelpunkt aller möglichen internationalen zweifelhaften Elemente ist, die sich durch besondere Rohheit, Geschmacklosigkeit und legendäre Rücksichtslosigkeit auszeichnen.

Beruflich habe ich glücklicherweise viel Erfolg, besonders in Fachkreisen, was mich aber nicht hindert, die Tage - nein, die Stunden bis zu meiner Rückkehr zu zählen [...] Bezgl. meines Gesundheitszustandes muß ich leider vermelden, daß sich daran nicht viel geändert hat. Immerhin betrachte ich es schon als einen großen Erfolg, daß ich im Stande war, das bisherige, direkt ungeheuerliche Arbeitspensum überhaupt zu leisten; allerdings habe ich nach jeder anstrengenden Probe Schmerzen, manchmal recht empfindliche, die aber mit Hilfe meines erstklassigen Thermophors meist rasch wieder vergehen [...] Bezgl. der vorgeschriebenen Diät dürften Sie unter Ihren zahllosen Klienten keinen folgsameren finden - allerdings ist meine Abstinenz ein wenig unfreiwillig, da ich den scheußlichen amerikanischen Fraß einfach nicht vertragen kann [...]". - Auf Briefpapier mit gedr. Briefkopf der Metropolitan Opera. Der Briefkopf nahezu vollständig abgetrennt..

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