Hedwig Wangel

Wangel, Hedwig

Schauspielerin (1875–1961). Eigenh. Albumblatt mit U. O. O. u. D. 1 S. 8vo.
$ 91 / 80 € (9161)

Hedwig Wangel (1875–1961), Schauspielerin. E. Albumblatt mit U. O. O. u. D. 1 Seite 8°. – „Weigere Dich nicht dem Dürftigen Gutes zu thun – so Deine Hand von Gott hat solches zu thun. Sprüche 3. 27“. – Hedwig Wangel war Charakterdarstellerin am Deutschen Theater Max Reinhardts in Berlin, zog sich aber – unter dem Eindruck eines Besuches bei der Heilsarmee – auf dem Höhepunkt ihre Karriere 1909 vom Theater zurück und betreute Haftentlassene. „1925 gründete sie bei Storkow in der Mark ein Heim für entlassene weibliche Strafgefangene, ‚Tor der Hoffnung’.

Um die finanziellen Mittel aufzubringen, spielte sie an verschiedenen Berliner Theatern. Im Zuge der Inflationsjahre und wegen mangelnder behördlicher Unterstützung wurde das Heim 1930 geschlossen. Nach Gastspielreisen holte Otto Falckenberg [sie] 1935 an die Münchner Kammerspiele. Dort und am Hebbeltheater in Berlin trat sie auch nach dem Zweiten Weltkrieg auf und leitete zeitweise die Theaterschule des Hebbeltheaters“ (DBE). Zudem war die Schauspielerin bis Ende der 50er Jahre in knapp 70 Filmen zu sehen..

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Wangel, Hedwig

Schauspielerin (1875–1961). Korrespondenzsammlung und Dokumente zum „Tor der Hoffnung“. Verschiedene Orte. Zusammen 862 Bll. Verschiedene Formate.
$ 4,570 / 4.000 € (11751)

Hedwig Wangel (1875–1961), Schauspielerin. Korrespondenzsammlung und Dokumente zum „Tor der Hoffnung“. Verschiedene Orte, ca. 1920–1961. Zusammen 862 Bll. Verschiedene Formate. – Hedwig Wangel, die Tochter des Besitzers des Musikverlags Carl Simon, studierte u. a. Schauspiel bei Josef Kainz, arbeitete in Berlin als Statistin am „Königlichen Schauspielhaus“ bei Max Grube und durchlief fast zehn Jahre lang harte, aber lehrreiche Wanderjahre durch die Provinz. Nach Engagements in Detmold, Riga, Kassel und Hamburg kam sie schließlich ans Berliner „Lessingtheater“ sowie an das „Neue“ und das „Kleine Theater“ und wurde schlußends von Max Reinhardt ans „Deutsche Theater“ verpflichtet.

Rasch avancierte sie dort zu einer der bedeutendsten Charakterdarstellerinnen ihrer Zeit und machte sich mit Gastspielreisen durch Großbritannien, Frankreich, Belgien, Holland, Finnland und Polen auch international einen Namen. Auf dem Höhepunkt ihres Ruhms zog sie sich von der Bühne zurück, um sich karitativen Tätigkeiten zu widmen, und gründete zu Beginn der 20er Jahre aus eigenen Mitteln sowie mit Erlösen aus Sammlungen auf der Hubertushöhe in Storkow i. d. Mark das „Tor der Hoffnung“, ein Heim für entlassene weibliche Strafgefangene, dessen Tätigkeit durch die hier vorhandenen Dokumente reich illustriert wird (vgl. II). Wegen mangelnder Unterstützung durch die Behörden und nicht zuletzt auch durch die Not der Inflationsjahre mußte das Heim jedoch gegen Ende des Jahrzehnts wieder schließen. Schon seit Mitte der 20 Jahre war Hedwig Wangel wieder am Theater und neuerdings auch im Film zu sehen, um für ihr Heim Geld zu erwirtschaften; von 1927 bis 1930 am Berliner „Renaissancetheater“, von 1931 bis 1932 am „Theater in der Behrenstraße“ und später am „Deutschen Künstlertheater“ sowie an der „Komischen Oper“. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs trat sie, der 1939 der Titel einer „Staatsschauspielerin“ verliehen worden war, als Gast am Berliner „Hebbeltheater“ oder am „Residenztheater“ in München auf; ihre Tätigkeit für den Film beläuft sich auf rund 70 Filme. Ihren Lebensabend verbrachte die Schauspielerin auf ihrem Alterssitz im holsteinischen Lohe (Kreis Rendsburg), wo sie erneut ein Heim für gefährdete Mädchen und Frauen führte. – Die hier vorliegende Korrespondenz (vgl. I) mit dem in Würzburg lebenden Kriegsinvaliden Hans Krafft (und z. T. auch mit dessen Frau Erna) läßt dieses erfüllte Leben in kleinen Ausschnitten noch einmal auferstehen und erzählt von z. T. schon verstorbenen Zeitgenossen wie Bruno Walter, Max Reinhardt, Adele Sandrock und Gertrud Eysoldt, aber auch von Erlebnissen und Geschehnissen der eigenen wie der Gegenwart ihrer Zeit. – I: Korrespondenz. I.1: Hedwig Wangel an Hanns und Erna Krafft. 98 e. Briefe (vereinzelt wohl Fragment, meist mit U. „Hedwig Wangel“, „Hedwig“, „Hete“ u. ä.) und 16 eh. Postkarten. Meist Lohe (Rendsburg-Land), 1955–1961. Zusammen 326 SS. auf 171 Bll. Meist 4°. Mit einigen Bll. Beilagen (beschr. Postkarten, separate Zettel, Portrait mit eh. Widmung, Zeitungsausschnitte u. dgl.). Tls. mit eh. adr. Kuvert. – Schöner, einen Zeitraum von fünf Jahren umfassender Briefwechsel über vorwiegend private und geschichtliche bzw. religiöse Themen. Manche Bücher werden empfohlen – „z. B. die Bremer Bibel-Konkordanz“ (13. X. 1955) –, von anderen, wie George Orwells „1984“, wird dringend abgeraten – „[...] ‚Ein utopischer Roman’! Also rechter Blödsinn [...] solche Bücher sind gut – zum Feuer!“ (2. V. 1958); häufig werden einzelne Erinnerungen an Zeitgenossen und Weggefährten wachgerufen: „Er [d. i. der Pianist Frederic Lamond, 1868–1948] war sehr fein – auch als Bachkenner! Schöne Erinnerungen – als er mir daheim bei ihnen – die Chromatische Fuge + Fantasie spielte; oder in München mich im Künstlerzimmer nach Schluß umarmte + küßte + für eine Weintraube so dankbar war! Sie bereiteten mir 1925 einen festlichen Empfangstag [...] wie es auch Bruno Walter tat – als er noch 1930 das Werk unterstützen wollte durch ein großes Concert in Berlin. Mit Walter, der als Knabe Bruno Schlesinger hieß – mit dem ich das Stern’sche Conservatorium besuchte + in den Violinstunden von ihm stets am Flügel begleitet wurde – verband mich die Gabe des absoluten Ton-Bewußtseins – weil er sie auch besaß – und wir von allen Lehrern u. Schülern dieses Instituts die einzigen waren – die so ‚begabt’ waren. Es machte immer Aufsehen in den öffentlichen Prüfungen – wenn man für uns große Akkorde anschlug – + wir die einzelnen Töne nennen mußten [...] Am meisten war mein Lehrer Dr. Wilhelm Niessen erstaunt – als ich in seiner Wohnung auf seinem Flügel meine Vortragsstücke zur Prüfung ihm noch einmal am Tage vorher spielen sollte; denn als ich begann – erschrak ich – + konnte nicht spielen. Er begriff es nicht – als ich sagte ‚Ich kann nicht auf diesem Instrument spielen – es steht ja fast ½ Ton zu tief!’ – Mit der Stimmgabel kam er + nun erschrak er auch – denn er hatte es nie bemerkt! [...] Pfitzner kannte ich persönlich! Seine junge Frau war auch bei Reinhardt engagiert 1904 und er konnte es nicht ertragen, daß sie diesen Beruf erwählte und ich – sollte sie dem Theater entfremden!? [...]“ (9. III. 1956). – „Alexander Golling ist ein sehr bekannter Charakterspieler – war jahrelang auch Direktor des Schauspiels im Staats Theater München. Jetzt wohl nur im Film tätig! Gertrud Eysoldt, als interessanteste Schauspielerin bei Reinhardt[,] spielte ‚Lulu’ von Wedekind – ‚Puck’ ganz originell, wie ein Fuchs im Pelz’chen + war im Walde fast nicht erkennbar, – weil sie auch sehr klein + zierlich von Gestalt [war] – förmlich wie ein Tier sich zusammenrollen konnte! Aber Hofmannst[h]als ‚Elektra’ und ‚Hedda Gabler’ + Sélysette in Maeterlincks ‚Aglavaine et Sélysette’ + die Salome von Wilde sind unvergeßliche Eindrücke gewesen! Sie war zuerst in Riga, bevor ich dann dorthin kam u. mit Martersteig der dort Direktor war verheiratet – + später die Geliebte von Edmund Reinhardt [(]Max’ jüngerer Bruder[)] + heiratete dann auch einen Juden – dessen Name als Maler bekannt ist [...] Wir spielten meist zusammen; kamen aber nie zu einer ganz offenen Herzlichkeit – wie ich’s mit Agnes Sorma + Adele Sandrock erleben durfte [...]“ (17. III. 1956). – „[...] auf eine unerwartete Filmaufgabe [d. i. der unter der Regie von Curd Jürgens 1956 entstandene Film „Ohne Dich wird es Nacht“] war ich wenig vorbereitet, mußte aber ganz plötzlich 4 St[un]d[e]n nach Empfang der Depesche schon abreisen. 2 mal hatte ich mit Curt [!] Jürgens + Eva Bartok kleine Scenen zu spielen, dann sollte 1 Außenaufnahme folgen, auf die ich noch warten muß [...]“ (20. IV. 1956). „Die Beschreibung im Reinhardt-Buch ist so übertrieben vor Lob – daß es einem fast nur widersteht zu lesen! Es ist eben das sehr jüdische Wesen, das sich derart beliebt machen will und damit peinlich wirkt. Wie verhimmeln sie sich selbst so gerne – oder verhindern es nicht, daß man sie so fast lächerlich über alles hoch stellt! [...] Brahm hatte eine feinere Art zu wirken! Es war zu spät als er an mich herantrat – da ich schon innerlich fern dem Theater stand – + noch an den Vertrag mit Reinhardt gebunden war bis 1917! – also für 8 Jahre hätte dann Reinhardt eine Conventionalstrafe gefordert! Also kam für mich auch das Staatstheater zu spät + war ich überhaupt nicht willens – diese Wege mehr zu gehen – 1909! – Bitte – versteh mich recht – ich kann über solche Dinge nicht für die ‚Nachwelt’ schreiben, weil ich wirklich längst damit fertig bin [...]“ (Br. v. 18. III. 1958). – Von großer Bedeutung in Wangels Korrespondenz sind weiters Religion, Glaube und Bibelfestigkeit; unzählige Zitate aus der Bibel ziehen sich wie ein roter Faden durch ihren Briefwechsel; auch Alter, Sterben und Tod sind – schon bedingt durch das fortgeschrittene Alter der Künstlerin, die im Alter von 80 Jahren mit Krafft bekannt wurde – zentrale Themen ihrer Briefe: „Da ich eben alt bin – können Sie es wohl noch nicht ganz verstehen – wie ich gewissen Dingen gegenüber ‚abgestorben’ bin. Wie lange sollte ich noch leben können? Warum sollte ich meine Zeit + meine schon halb erloschenen Augen zu anderen Dingen benützen? Auch kann ich fast nichts mehr hören – denn die Menschen sprechen meist viel zu schnell – oder zu leise – wie auch der Rundfunk + das Theater für mich unverständlich wurden [...]“ (27. I. 1956). – „Auf einen B[rie]f von mir an Golda Meir – nach dem Attentat [–] bekam ich einen Dank durch einen Dr. M. Tavar, aus der Mission D’Israel. Köln, 19. XI. 57 ‚Frau Meir hat die Folgen des Attentats fast ganz überstanden und hat sich über Ihre Zeilen aufrichtig gefreut!’ [...] (21. XI. 1957). – „Vorgestern las ich, was der Nobelpreisträger Bertrand Russel[l] verkündete – daß ‚in vielleicht 40 Jahren – die Menschheit nicht mehr existiere!!’ Auf diesen ‚Blödsinn’ hin schrieb ich gestern einen B[rie]f an ihn – um ihm aus Off[enbarun]g 6,8 und 9,15 klar zu machen – daß nur die Hälfte aller Menschen dem Untergang geweiht sei – ! – Ich bat ihn – nur zu erklären – wie er zu seiner Ansicht kam, von der nirgend in der Bibel eine Spur zu finden sei – [...]“ (22. II. 1958). – I.2: Hedwig Wangel an Diverse. 58 tls. eh. und tls. ms. Briefe (vereinzelt wohl Fragment, meist mit U. „Hedwig Wangel“, „Hedwig“, „Hete“ u. ä.). Meist Lohe (Rendsburg-Land), 1946–1961. Zusammen 147 SS. auf 85 Bll. 4° und 8°. Tls. mit eh. adr. Kuvert. – Darunter 21 an ihre Freundin Maria Hebbeling (gest. 1969), 1 Briefentwurf an Ministerpräsident Otto Grotewohl (1894–1964) und mehrere Schreiben an Zeitungsredaktionen bzw. Leserbriefzuschriften. – I.3: Briefe und Postkarten an Hedwig Wangel. 46 tls. eh. und tls. ms. Briefe und Postkarten. Verschiedene Orte, 1947–1960. Zusammen 83½ SS. auf 53 Bll. 4° und 8°. I.4: Korrespondenz Dritter. 29 tls. eh. und tls. ms. Briefe und Postkarten. Verschiedene Orte, 1947–1960. Zusammen 59 SS. auf 36 Bll. 4° und 8°. – II: „Tor der Hoffnung“. Namensverzeichnis der betreuten Frauen. Hubertushöhe bei Storkow in der Mark, 1926–1928. 279 SS. auf 140 Bll. Halbleinenband der Zeit. Kl.-4°. – Tls. von Hedwig Wangel eh. geführtes Verzeichnis von Namen und Daten der in besagtem Zeitraum betreuten Frauen. Vermerkt neben Angaben zu Person auch Dauer des Aufenthalts, Vorstrafen, Gefängnisaufenthalte u. a. „Frau ?, geb. ? aus? | abgelehnt! Trinkerin! Erblich belastet. 32 Jahre alt. Mutter war an dilirium [!] tremens gestorben! [...]“ (Patientennummer 252). – Beiliegend 133 Bll. Jahresberichte, gedr. Satzungen der Hedwig Wangel-Hilfe e. V., Programme für einen Benefizball, Spendenpostkarten und aufrufe etc. Tls. mehrfach vorhanden. Darunter ein vierseitiges Typoskript Hedwig Wangels mit einer Schilderung des Alltagslebens im Heim. – III: Sammlungen. III.1: Typoskripte (Durchschläge) und Notizzettel. Zusammen 44 Bll. Darunter zwei kleine eh. Broschüren mit Bibelstellen als Lektüre für Hans Krafft. III.2: Zeitungsausschnitte (häufig über Fragen der Todesstrafe), tls. beschrieben, Prospekte, Broschüren, Theaterprogramme u. ä. Zusammen ca. 200 Bll..

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