Lobegott Friedrich Constantin von Tischendorf

Tischendorf, Lobegott Friedrich Constantin von

Theologe, Orientalist und Paläograph (1815–1874). Eigenh. Brief mit U. („Tischendorf“). Leipzig. 3½ SS. auf Doppelblatt. Gr.-8vo.
$ 4,889 / 4.500 € (23430)

Lobegott Friedrich Constantin von Tischendorf (1815–1874), Theologe, Orientalist und Paläograph. E. Brief mit U. („Tischendorf“). Leipzig, 26. Januar 1860. 3½ SS. auf Doppelblatt. Gr.-8°. – Sehr ausführliches Schreiben an den Ägyptologen Heinrich Brugsch-Pascha (1827–1894), der ihm überraschend mitgeteilt hatte, daß er als Attaché der preußischen Gesandtschaft nach Teheran gehen werde, indes er zuvor mehrfach verkündet hatte, eine Stelle als preußischer Konsul in Alexandria antreten zu wollen.

Tischendorf, der sich seit längerem um eine Anstellung für Brugsch in St. Petersburg bemüht hatte, zeigt sich verwirrt und zitiert aus Briefen von Brugsch und Tischendorfs Gattin, in denen von Brugschs Übersiedlung nach Alexandria die Rede war, so daß Tischendorf, der in Kairo die Nachricht von Brugschs bevorstehender Ankunft verbreitet hatte, in den Verdacht unzeitiger Indiskretion geraten war. Tischendorf bemüht sich, den Vorgang zu erklären und zugleich sein Bedauern auszudrücken, daß Brugsch nunmehr als Diplomat der Wissenschaft entzogen werde: „Vor allen Dingen empfange meinen Glückwunsch zum Consul und Gesandtschafts-Attaché in Teheran. Sollte ich auch an dieser Metamorphosirung des deutschen Professors keinen vollkommenen Geschmack finden, so kommt es ja hier nicht zunächst auf den Geschmack, am allerwenigsten auf den meinigen an. Ich hoffe trotzdem, daß Du in die Wege noch einlenken wirst, wo Du als der Mann der Wissenschaft im vollen Sinne des Wortes wirkest. An meiner Petersburger Sympathie hast Du also trotz alledem Dich erbauen können; nun an mir werd’ ichs also auch nicht fehlen lassen; ich werde schon bei meinem nächsten Aufenthalt in Petersburg, um die Osterzeit, weiter B. nachhaltiger anzuwerben suchen. Du magst dann sein, wo Du willst: man wird Dich schon zu finden wissen [...] In den letzten Tagen wurde ich durch den 3. Band Deines geograph. Werkes überrascht: ich danke herzlich dafür. Darauf bilde ich mir doch was ein, daß diese Verbindung mit dem Rostschen Hause so sehr nach Deinem Wunsche und zu Deiner Genugthuung ausgeschlagen. Damit ich aber nicht blos Empfänger sei, hab’ ich H[errn] Rost ersucht, Dir meine Nov. Test. Editio VII. critica minor [d. h. die 7. Auflage seiner kritischen Edition des Neuen Testaments] als eine kleine Freundschaftsgabe von mir zu übermitteln. Obschon ‚minor’ enthält sie doch mehr als alle früheren Ausgaben. Ich wünsche nur, daß sie Dich auf die zurückgesetzten Studien an den kopt. Versionen zurück führen möchte. Es thut mir noch immer sehr leid, daß Du von dem Plane abgekommen, diese Versionen gründlich zu bearbeiten. Das wäre sicherlich noch ein bleibendes Denkmal Deiner Forschungen geworden. Nun vielleicht gibts noch ruhigere Zeiten [...] Daß Dich Lepsius gern aus den Augen haben wird, u. noch lieber an die Keilinschriften dahingegeben, das begreift sich leicht. Nun hoffentlich gehts Dir wie dem frommen Joseph: ‚Ihr gedachtet es böse zu machen, aber Gott gedachte, es gut zu machen’ [...] Gehst Du denn mit Haus und Hof? Doch wohl. Möge der Herr Euer getreuer Geleitsmann sein wie er es mir gewesen [...]“. – Tischendorf hatte im Frühjahr von einem erneuten Aufenthalt auf der Sinai-Halbinsel die letzten 86 Blatt des von ihm entdeckten „Codex Sinaiticus“ mitgebracht, der ältesten vollständigen Handschrift des Neuen Testaments. Mit Brugschs „geogr. Werk“ ist die dreibändige Edition „Geographische Inschriften altägyptischer Denkmäler“ (Leipzig 1857–1860) gemeint. – Mit kleinen Läsuren am oberen Rand; die Recto-Seite von Bl. 1 mit einem zeitgen. Eingangsvermerk..

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