Sergei Iwanowitsch Tanejew

Tanejew, Sergei Iwanowitsch

russischer Komponist (1856-1915). Eigenh. Brief mit Unterschrift. o. O. 8vo. 4 pp.
$ 5,315 / 4.500 € (75322)

Inhaltsreicher Brief in Russisch an „Liebe Maria Wassiljevna“ über Tschaikowsky und Nikolai Rubinstein: „Zuerst entschuldige ich mich dafür, dass ich die Antwort auf Ihren freundlichen und süßen Brief, der mich lebhaft an die alten Zeiten unseres Konservatoriums und unserer gemeinsamen Lehrer erinnerte, so lange hinausgezögert hatte. Die Bilder von Nikolai Grigorjewitsch (Rubinstein) und Pjotr Iljitsch (Tschaikowsky) sind nicht aus der Erinnerung derer gelöscht, die sie persönlich kannten, und besonders von ihnen lernten.

Aber wie anders ist die Einstellung der heutigen Generation zu ihnen! Der Name von Pjotr Iljitsch wurde in der ganzen Welt bekannt und wird immer berühmter. Aber der Name von Nikolai Grigorjewitsch, der im Bereich der Komposition keine Spuren hinterließ, verliert für die neue Generation die Bedeutung, die er für uns hatte. Leute, die nie sein Spiel gehört haben, können sich die ganze Kraft seines künstlerischen Talents nicht vorstellen. So traurig ist die Tatsache der Vergessenheit zu Nikolai Grigorjewitsch, aber die ist unvermeidlich aufgrund seiner Tätigkeit als Virtuose. Aber wenn unsere jungen Musiker die Macht seines Talents nicht erfahren haben, so ist doch der Name von Nikolai Grigorjewitsch für sie ein Symbol tadellosen und selbstlosen Dienstes an der musikalischen Kunst, und um diesen Namen gruppieren sich heuzutage nun alle mehr oder weniger hervorragenden musikalischen Kräfte Moskaus. In den letzten zwei Jahren wurde hier in Moskau ein Musikerkreis geboren, der nach Nikolai Grigorjewitsch Rubinstein benannt ist, dessen Ziel vor allem die Kommunikation unter Moskauer Musikern, die Bekanntschaft mit der neuesten Musikliteratur usw. ist. Ich bin Ihnen sehr dankbar für Ihre Angebot, das Manuskript von H.A. Laroche, das im Besitz von Pjotr Iljitsch war, mir zu schicken. Egal, wie schön es für mich wäre es zu bekommen, aber ich glaube, dass der beste Platz dafür das Museum von Pjotr Iljitsch ist, das in Klin von seinem Bruder Modest Iljitsch in dem Haus organisiert wurde, wo Pjotr Iljitsch am Ende seines Lebens gewohnt hat. Dort sind seine Manuskripte, seine Musikbibliothek usw. erhalten. Die ganze Atmosphäre seiner Wohnung blieb unverändert. M.I. zeigt sehr gerne das Haus von P.I. für alle, die es untersuchen möchten. Vielleicht werden Sie, auf der Reise mit der Eisenbahn von Nikolaevsky, sich eines Tages entscheiden, um es zu besuchen. Die Adresse von Modest Iljitsch: Moskauer Gebiet, Stadt Klin, ein eigenes privat Haus Was die aus Pjotr Iljitschs Grab gerissenen Blumen betrifft, sende sie mir bitte nicht. Ich denke, dass die Verbindung zwischen den Blumen, die auf dem Grab wuchs, und der Person, die darin begraben ist, rein äußerlich und zufällig ist. Solche Blumen zu schätzen - tut mir leid, dass ich ehrlich bin - scheint mir zu sentimental und ich fühle mich jedenfalls nicht in der Lage, diesen Blumen die Aufmerksamkeit zu schenken, die Sie erwarten dürfen.“ - Tanejew entstammte gehobenen Verhältnissen, so dass er sich schon von seiner frühen Kindheit an intensiv mit Musik beschäftigen konnte. Bereits 1866 trat er in das Moskauer Konservatorium ein und studierte Klavier, Komposition, Orchestration und Formenlehre bei so namhaften Persönlichkeiten wie Pjotr Tschaikowski und Nikolai Rubinstein. Mit ersterem verband ihn eine lebenslange Freundschaft. 1875 beendete er seine Studien mit der Goldmedaille. Zunächst war Tanejew überwiegend als Pianist tätig und unternahm Konzertreisen (u. a. nach Frankreich). 1878 wurde er Professor für Harmonielehre und Instrumentation am Moskauer Konservatorium, 1881 zusätzlich Professor für Klavier und 1883 schließlich Professor für Komposition. Von 1885 bis 1889 war er Direktor des Konservatoriums, danach zog er es vor, nur seiner Lehrtätigkeit in den Fächern Kontrapunkt, Fuge und Formenlehre nachzugehen. Etliche seiner Schüler (z. B. Sergei Rachmaninow, Alexander Skrjabin und Reinhold Glière) entwickelten sich zu namhaften Komponisten. Auch in menschlicher Hinsicht wirkte der umfassend gebildete Tanejew, der sich z. B. auch für Philosophie interessierte, prägend auf seine Schüler. 1895 und 1896 verbrachte Tanejew den Sommer in Jasnaja Poljana, dem Wohnsitz von Leo Tolstoi und seiner Frau Sofia, die eine Zuneigung zu ihm und seiner Musik entwickelte. 1905 verließ er das Konservatorium. Tanejew trat auch als Autor vieler bedeutender musikwissenschaftlicher Schriften hervor und wurde mit zahlreichen Auszeichnungen versehen..

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