Gerhart Pohl

Pohl, Gerhart

Schriftsteller (1902–1966). Ms. Brief mit eigenh. U. Berlin. 2 SS. Gr.-4to.
$ 263 / 250 € (21601)

Gerhart Pohl (1902–1966), Schriftsteller. Ms. Brief mit e. U. Berlin, Juli 1961. 2 SS. Gr.-4°. – An den Publizisten und Literaturwissenschaftler Ernst Günther Riemschneider (1921–2002), der ihn wegen seiner Erinnerungen an den Dichter Jochen Klepper angeschrieben hatte: „[...] Der Mensch Klepper war in der Jugend ein liebenswürdiger begabter und geschickter ‚Dandy’ ohne besonderes Profil. Mein unvergessener Freund Werner Milch und ich meinten damals, er habe das Zeug zu einer männlichen jüngeren Vicki Baum [...] Später kam – verblüffend rasch für mein Gefühl – der Aufbruch zu Gott, die religiöse Durchdringung [...] Seine Toleranz bei steter Wahrung des eigenen Standpunkts war eindrucksvoll.

Der Protestant liess den Katholizismus gelten, der Konservative andere politische oder weltanschauliche Auffassungen, im Grunde auch leider den Nationalsozialismus als eine Art ‚Schicksalsmacht’. Hier liegt m. E. die ‚Achillesferse’ Kleppers. Sein Untertanengeist, der ihn zu dem grossartigen ‚Vater’ befähigt hat, ist das Verhängnis des Bürgers im ‚Dritten Reich’ geworden. Mit Massstäben von vorgestern wollte er seine Gegenwart bewältigen. Er wähnte jahrelang, durch Untertänigkeit (etwa vorzeitige überhöhte Steuerzahlungen oder freiwilliger Wehrdienst) den ‚roi des Prusses’ gewogen zu stimmen. Dass dieser ein traditionsloser Usurpator, Hanswurst und Verbrecher war – das haargenaue Gegenteil von Preussens Überlieferung – wollte er nicht hören [...] Heute werde ich den Gedanken nicht mehr los, dass er ohne jüdischen Anhang wahrscheinlich ein braver, wenn auch vom Christlichen her insgesamt bedenklicher Mitläufer Hitlers geworden wäre, wie es deren viele auch unter den bedeutenden Künstlern gegeben hat (Kolbenheyer, Griese, Binding u. a.). Das scheint mir das eine Motiv für die Kleppersche Tragödie zu sein. Das andere vernichtende ist seine wachsende Liebe zu der jüngeren Stieftochter Renate [...]“. – Gerhart Pohl war Lektor und Herausgeber der kulturkritischen Zeitschrift „Die neue Bücherschau“, die sich unter seiner Leitung zu einem linksgerichteten Kampforgan entwickelte, und trat als als Romanautor, Erzähler, Essayist und Dramatiker hervor. Während des „Dritten Reiches“ lebte er in Wolfshau im Riesengebirge und war zeitweise mit Publikationsverbot belegt. Pohl „gehörte zum Kreis um Gerhart Hauptmann, bei dem er nach Kriegsende lebte und dessen letzte Tage er in seinem Werk ‚Bin ich noch in meinem Haus’ (1953) beschrieb. 1946–50 war Pohl Lektor des Aufbau-Verlags und Mitarbeiter der Monatsschrift ‚Aufbau’ in Berlin, lebte dann als freier Schriftsteller in Westberlin. Zu seinen Werken gehören die Romane ‚Die Brüder Wagemann’ (1936), ‚Der verrückte Ferdinand’ (1939) und ‚Fluchtburg’ (1955)“ (DBE). – Der Adressat sollte 1975 ein Buch über Jochen Klepper veröffentlichen („Der Fall Klepper. Eine Dokumentation“, Stuttgart, DVA, 1975). – Auf Briefpapier mit gedr. Briefkopf; papierbedingt etwas gebräunt und mit kleinen Randläsuren..

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