Robert Musil

Austrian writer, 1880-1942

"Robert Musil was an Austrian philosophical writer. He was sent to a military boarding school at Eisenstadt (1892–1894) and then Hranice (1894–1897). The school experiences are reflected in his first novel ""The Confusions of Young Törless"" (German: ""Die Verwirrungen des Zöglings Törless""), published in 1906. His unfinished novel, ""The Man Without Qualities"" (German: ""Der Mann ohne Eigenschaften""), is generally considered to be one of the most important and influential modernist novels. The novel deals with the moral and intellectual decline of the Austro-Hungarian Empire through the eyes of the book's protagonist."

Source: Wikipedia

Musil, Robert

Schriftsteller (1880-1942). Eigenh. Brief mit Unterschrift. Wien. Gr.-4to. 2 pp.
$ 7,437 / 6.800 € (91199)

An den Schriftsteller Franz Blei: „Sie haben recht, was mich schweigen ließ, pessimistisch zu beurteilen; ich hätte Ihnen nur erzählen können, daß ich von Rowohlt seit einem Jahr nicht einen Pfennig gesehen habe und daß eine kleine R. M.-Gesellschaft, deren Wunsch es war, mein Buch vollendet und mich bei einem besseren Verleger zu sehen, durch den geistigen Aufschwung Deutschlands in ihren Mittel so geschwächt wurde, daß sie sich verlief und mich mit einem kleinen Betrag zurückließ, dessen letzter Rest gerade jetzt zerschmilzt.

Nichtrauchen als Folge übermäßigen Blutdrucks, dieser Folge aller Aufregungen; und da die Galle auch eine prompte Reaktion auf Aufregungen hat, bin ich ein Bündel seelischer und körperlicher Trauerschleier. Erst seit einigen Tagen ist eine Rettungsaktion im Gange; in ihren Ursprüngen rührend, da sie von Menschen ausgeht, die ich nur oberflächlich kannte und die selbst gar nicht im Überfluß sitzen, und vielleicht auch aussichtsvoll, da sie mit Eifer betrieben wird. Aber es ist noch verfrüht, über den endgültigen Erfolg zu urteilen, zumal da ich ja im Augenblick ganz von ihm abhänge, denn im heutigen Deutschland ist weder ein Verleger zu finden, der das geringste riskiert, noch kann ich mit Aufsätzen nachhelfen. Was ich sagen müßte, läßt sich noch nicht sagen, und anders treffe ichs nicht. Daß Sie Rowohlts Einschickung nicht unterschrieben haben, war sehr gut; ich habe es auch nicht getan und viele andere auch nicht, aus den Gründen, die Sie anführen. Es wird auch kaum persönliche Folgen haben, denn es sind von Verband zu Verband Verhandlungen im Gange, und da die Schweizer schon ausgenommen sind, wird man es den Österreichern nicht gut verweigern können. Rowohlts Mitteilung, man müsse, war ein Bluff, andere Verleger sind nicht so weit gegangen. Da aber viele Österreicher freiwillig beigetreten sind, ist es möglich, daß Sie in einzelnen Fällen mit Beiträgen auf Schwierigkeiten stoßen könnten, doch glaube ich es nicht, denn wenigstens nach meinen letzten Nachrichten, will man die Divergenzen nicht vergrößern. Ich habe, was sich leicht verstehen läßt, in den letzten Wochen nicht allzu glücklich gearbeitet, aber immerhin schiebt sich die Sache entwärts, und ich hoffe, noch in diesem Jahre etwas Neues beginnen zu können; was ja freilich wie der Fleiß eines Bohrwurms ist in einem Bilderrahmen in einem Haus, das schon brennt. Ihr kontrastierender Mangel an Arbeitswille scheint aber auch nicht ganz das rechte zu sein? Abgeschnitten vom Markt und von den literarischen Reizungen, sollten sie eigentlich zu Gottes Füßen sitzen und seine Worte aufschreiben. Oder stehen Eden-Girls dazwischen?“ - Von Robert Musil geschrieben und unterschrieben. Gleichzeitig von Martha Musil unterschrieben..

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Musil, Robert

Schriftsteller (1880-1942). Eigenh. Brief mit U. [Berlin], "Pension Stern, Kurfürstendamm 217. 21.10.1932. ¾ S. 4to.
$ 8,203 / 7.500 € (77602/BN50070)

An den namentlich nicht genannten Franz Blei: "Der wahrhaftige Grund, warum ich Ihre beiden Briefe erst heute beantworte, ist der, daß man mir nicht die Zeit dazu läßt. Obwohl ich im Juni angekündigt hatte, daß ich nicht fertig werden könne, und die Versicherung bekam, daß man auf Grundlage der Zwischenveröffentlichung der einstweilen fertigen 600-700 Seiten, das Weitere ordnen werde, fand ich mich bei meiner Rückkehr in einer Situation des völligen Nichts. Ohne persönlichen bösen Willen, im Gegenteil bei persönlicher Anteilnahme, angesichts jener unpersönlichen kaufmännischen Theodizee, die sich einbildet, alles Üble rechtfertigen zu können.

Um die moralische Wirkung beiseite zu lassen: ich habe vierzehn Tage lang überhaupt ohne Geld gelebt und lebe bis zum heutigen Tag noch ohne Sicherheit des nächsten Monats. Geld vom Verlag war nur unter der Bedingung zu bekommen, daß ich in drei Monaten mit dem Rest des Buches fertig wäre, was ich zurückweisen mußte [...] Ich stehe also unter einem Druck, der kaum und auf die Dauer sogar sicher nicht auszuhalten ist. | Denken Sie nicht an Deutschland, solange es möglich ist! [...]". - Musil und seine Frau Martha erlebten die Anfänge des nationalsozialistischen Regimes in der Berliner "Pension Stern" und zogen im Mai 1933 weiter nach Karlsbad, später wieder nach Wien, ehe sie - vor allem Marthas jüdischer Abstammung wegen - im August 1938 ins Schweizer Exil gingen. - Winzige Einrisse an den Rändern im Mittelfalz..

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Musil, Robert

Schriftsteller (1880-1942). Ms. Brief mit eigenh. U. Wien. 04.06.1935. 2 SS. 4to.
$ 10,390 / 9.500 € (77603/BN50071)

An den namentlich nicht genannten Franz Blei, der 1932 nach Cala Rajada (Mallorca) emigriert war, über eine mögliche Mitarbeiterschaft an der von Ernst Schönwiese herausgegebenen Literaturzeitschrift "das silberboot": "Wenn ich mich frage, warum ich Ihnen so lange nicht geschrieben habe, obzwar es nicht am Wunsch fehlte, so finde ich, dass ich mir selbst ein Gegenstand der Unlust bin. Ich kann von mir nur erzählen, dass ich materielle Sorgen habe und dass der Roman von Zeit zu Zeit einen Ausblick auf das Ende gewährt, der dann wieder zuwächst.

Natürlich gibt es auch in meinem Leben anderes, aber es spielt sich wie auf einem Schiff ab, das jeden Tag vom gleichen Horizont eingeschlossen wird: mit einem Wort, ich verbreite jene heroische Langweile um mich und befinde mich selbst in ihr, die man auf dem Meer empfinden mag; glücklicherweise mit Martha, die dafür Verständnis hat. Ausnahmsweise ist heute etwas zu berichten, das nicht zum 'Schiff' gehört; es wird nämlich hier eine kleine Monatsschrift erscheinen, und ich fürchte nicht lange am Leben sein, die reine Literatur bringen will. Der zukünftige Herausgeber war vorgestern bei mir, und es zeigte sich, dass er Sie verehrt und einladen will, was ich überdies auch übernommen habe. Das Honorar ist so gering, dass ich es bereits wieder vergessen habe; aber unter den herrlichen Wirtschaftsverhältnissen Ihrer Insel könnte es irgendeine Kaufkraft haben [...]"..

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