Franz von Liszt

Liszt, Franz von

Jurist (1851-1919). 2 eigenh. Briefe mit U. und 1 eh. Postkarte mit U. Berlin bzw. o. O. Zusammen 6 SS. auf 3 Bll. Gr.- bzw. qu.-8vo.
$ 530 / 450 € (31908/BN21392)

Knappe, jedoch spannende Korrespondenz mit dem Psychologen und Philosophen William Stern (1871-1938) in Breslau: "[...] Für diesen Mittw[och] haben wir, ohne daß die anderen Herren etwas davon ahnen, einen ganz kurzen Wortwechsel mit Handgemenge präpariert; es sollen dann in 8 Tagen (mit einem Stenographen) die Zeugen vernommen werden. - Mir kommt es darauf an, selbst etwas über die Arbeitsmethode durch eigene Erfahrung zu lernen, u. die Leute zu interessieren, damit Sie für Ihren Vortrag den Boden vorbereitet finden [...]".

- An besagtem Mittwoch, dem 4. Dezember 1901, sollte dann auch der "Wortwechsel mit Handgemenge" stattfinden: Während Liszts Seminar richtete einer der Teilnehmer eine Frage an Liszt, die von einem anderen Zuhörer unhöflich quittiert wurde, woraufhin der erste eine Pistole zog und sie auf diesen richtete. Liszt eilte hinzu und schlug dem Schützen auf den Arm, dieser verriß die Pistole und auf Höhe der Herzgegend seines Kontrahenten löste sich ein Schuß. - Der ganze Vorfall wurde freilich kurz nach seinem Ende aufgeklärt und die "Zeugen" wurden gebeten, ihre Aussagen tls. schriftlich und tls. mündlich zu Protokoll zu geben, einige noch am selben Abend oder am Tag darauf, andere eine Woche später und wieder andere erst fünf Wochen nach dem Zwischenfall. Wie von Stern, dem Initiator dieses und anderer psychologischer Experimente, erwartet, wichen die einzelnen Aussagen stark voneinander ab: Keiner der Zeugen konnte sich an alle der in 15 Einzelheiten zerlegte Ereigniskette erinnern, die Fehlerrate lag zwischen 27 und 80 Prozent. - Franz von Liszt, der um vierzig Jahre jüngere Cousin des Komponisten Franz Liszt, begründete seinen Rang als Strafrechtsdogmatiker mit dem erstmals 1881 erschienenen "Lehrbuch des deutschen Reichsstrafrechts", das später zum Standardwerk des Strafrechts wurde. Über die Vielzahl seiner Veröffentlichungen hinaus wirkte er vor allem durch die gemeinsam mit Adolf Dochow begründete "Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft", durch die von ihm gepflogene Gesprächsrunde des "Kriminalistischen Seminars", dem eine ganze Generation deutscher Strafrechtslehrer entstammte, und durch die gemeinsam mit Adolphe Prins und Gerard Anton van Hamel gegründete "Internationale Kriminalistische Vereinigung". - William Stern war Gründer des Instituts für Angewandte Psychologie in Berlin, Mitherausgeber der "Zeitschrift für Angewandte Psychologie" und Professor für Psychologie in Breslau und Hamburg sowie nach seiner Emigration 1933 an der Duke University in Durham. Er "zählt zu den Pionieren der neueren Psychologie. Schwerpunkte seiner Forschung waren die Kinder- und Jugendpsychologie, die angewandte Psychologie und die von ihm begründete differentielle Psychologie" (DBE). Auf Stern geht auch u. a. die Idee des Intelligenzquotienten zurück. - Der Brief v. 26. II. [1902] auf einem an Liszt gerichteten Schreiben des Juristen Paul Schellhas (1859-1908) über den Stand der Dinge von Sterns "in Aussicht genommener Anleitung zur Aufstellung experimentalpsychologischer Versuche über Zeugenaussagen im Seminar Ew. Hochwohlgeboren" (dat. Rixdorf-Berlin [heute Berlin-Neukölln], 25. II. 1902, 2 SS.). - Der Br. v. 30. XI. 1901 auf Briefpapier mit gedr. Briefkopf..

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Liszt, Franz von

Jurist (1851-1919). Eigenh. Brief mit U. (Prof. v. Liszt"). Marburg. 3 SS. auf Doppelblatt. 8vo.
$ 353 / 300 € (32155/BN23008)

An einen namentlich nicht genannten Staatsanwalt mit der Mitteilung, daß er sehr gerne bereit sei, "Ihre Abhandlung in die 'Zeitschrift' aufzunehmen. Die Frage der Ausbild[un]g der Referendare bei der Staatsanwaltschaft erschien mir bereits früher als wichtig genug, um einen Ihrer tüchtigsten Amtsgenossen um eine kleine Abhandlung zu ersuchen, die mir auch zugesagt worden ist. Es wäre ganz hübsch, wenn sich an Ihre Bearbeit[un]g eine kleine Debatte anknüpfen ließe [...]". - Franz von Liszt, der um vierzig Jahre jüngere Cousin des Komponisten Franz Liszt, begründete seinen Rang als Strafrechtsdogmatiker mit dem erstmals 1881 erschienenen "Lehrbuch des deutschen Reichsstrafrechts", das später zum Standardwerk des Strafrechts wurde.

Über die Vielzahl seiner Veröffentlichungen hinaus wirkte er vor allem durch die gemeinsam mit Adolf Dochow begründete "Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft", durch die von ihm gepflogene Gesprächsrunde des "Kriminalistischen Seminars", dem eine ganze Generation deutscher Strafrechtslehrer entstammte, und durch die gemeinsam mit Adolphe Prins und Gerard Anton van Hamel gegründete "Internationale Kriminalistische Vereinigung"..

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Liszt, Franz von

Jurist (1851-1919). Brief mit eigenh. U. Marburg. 2 SS. Gr.-8vo.
$ 141 / 120 € (940953/BN940953)

An einen Kollegen über strafrechtliche Debatten in Italien und ein Publikationsvorhaben des Empfängers: "Verzeihen Sie mir, dass ich Ihnen erst heute für Ihr MS u für die anderen mir nicht unbekannten Sendungen danke, welche aus der Hand des Verfassers mir von doppeltem Werte sind. Sehr interessant war mir was Sie aus Italien mitzuteilen die Freundlichkeit hatten. Colajanni [d. i. der Kriminalsoziologe Napoleone Colajanni] korrespondiert ab u zu auch mit mir und sendet mir seine Arbeiten. Ausser dem Alcoolismo in letzter Zeit auch einen Artikel aus Garrauds (u.

Lacassagnes) Archives [d. s. René Garraud und Alexandre Lacassagne, die Herausgeber der "Archives de l'anthropologie criminelle"], in welchem er Ferri's [d. i. der Kriminologe und Politiker Enrico Ferri] Untersuchungen über den Einfluß der Temperatur auf das Verbrechen einer vernichtenden Kritik unterzieht. Ich hoffe von ihm noch in diesem Jahr eine Arbeit kriegen zu können u freue mich auf den II Bd seines 'Socialismo e Criminalità'. Criminalità' [...]"..

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