Gottfried Hermann

Hermann, Gottfried

deutscher klassischer Philologe (1772-1848). 3 eigenh. Briefe mit U. Leipzig. 1/2 p. 8vo., 1 1/2 pp. 4to.
$ 561 / 480 € (82055)

Drei eigenhändige Briefe mit Unterschrift an verschiedene Adressaten. In den Briefen geht es unter anderem um eine Meldung in der Leipziger Zeitung, „daß S(eine) Majestät der König mir den Geheimrathstitel“ zu verleihen beabsichtige. Unterschiedliche Erhaltung, z.T. Falzspuren und Gebrauchsspuren. Johann Gottfried Jakob Hermann wurde 1798 außerordentlicher Professor der Philosophie, 1803 ordentlicher Professor der Beredsamkeit und ab 1809 auch der Poesie. In einer Rede gedachte Otto Jahn im Jahr 1849 dem Gelehrten: „Das Gebiet seiner wissenschaftlichen Leistungen war die Sprache.

Sein Verdienst ist es, dass er die Sprache nicht als ein Aggregat äusserer Erscheinungen nach abstracten Regeln geordnet, sondern als ein lebendiges Erzeugniss des menschlichen Geistes aufgefasst hat, das denselben nothwendigen Gesetzen folgt, welchen dieser unterthan ist, und nur aus diesen begriffen werden kann, dass er aber auch die künstlerische Freiheit und Schönheit der Sprache in gleichem Masse anerkannte und zur Klarheit brachte. […] Bei dem allgemeinen Aufschwung der poetischen Thätigkeit machte sich damals das Streben geltend, auch in der Vollendung der Form sich den Mustern des Alterthums zu nähern; wie willkommen musste ein Werk wie die Metrik sein. Besonders Goethe, der damals mit der Achilleis und der Helena beschäftigt war und genauer in das Wesen der antiken Versmasse einzudringen strebte, nahm den regsten Antheil daran, und als er bald darauf nach Leipzig kam (1800), trat er eines Abends unerwartet zu dem erstaunten Hermann ins Zimmer. In dem Gespräche, das sich über Verskunst zwischen ihnen entspann, forderte ihn endlich Goethe auf eine deutsche Metrik zu schreiben, was Hermann mit dem Bemerken ablehnte, es sei Goethe’s Aufgabe, die deutsche Metrik zu schaffen. Die so angeknüpfte freundschaftliche Verbindung wurde sowohl durch Briefe als persönliche Begegnung, namentlich in Karlsbad, wo sie 1820 zusammentrafen, unterhalten. Wir wissen, wie hoch Goethe Hermann schätzte und mit welchem Interesse er wiederholt auf seine Forschungen einging; man kann leicht ermessen, welche Freude beide Männer von griechischer, in so mancher Beziehung einander nahe verwandter Natur im persönlichen Verkehr empfunden haben.“.

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Hermann, Gottfried

klassischer Philologe (1772-1848). Eigenh. Brief mit U. O. O. u. D. ½ S. auf Doppelblatt. 8vo. Mit eh. Adresse (Faltbrief).
$ 292 / 250 € (941303/BN941303)

An Dr. Woldemar Ludwig Grenser, dem er einen altgriechischen Neologismus als Übersetzung von "Geburtshilfe" anbietet und mit einem Zitat aus Pindars erster Nemeischer Ode untermauert: "Ganz wörtlich läßt sich Geburtshilfe Griechisch durch 'tokárexis' ausdrücken, das mithin im Lateinischen in den casibus obliquis tocarexis, tocarexi, tocarexin zu declinieren ist. Zu statten kommt diesem Worte, daß das Verbum 'arégein' bei dem Pindar Nem, 1.72. von den Frauen, die der Alkmene bei der Geburt des Heracles beistanden, gebraucht ist: 'gynaíkas, hósai tychon Alkménas arégoisai léchei'.

Hochachtungsvoll [...]". - Gottfried Hermann wirkte als Professor der Beredsamkeit und Poesie an der Universität Leipzig. Das Zitat in der zeitgenössischen Übersetzung von Tycho Mommsen: "die Frauen, die Beistand thaten bei Alkmenes Bett" [Des Pindaros Werke in die Versmaasse des Originals übersetzt, Leipzig 1846, S. 127, Gegenvers 3,49]. Grenser war Universitätsprofessor für Gynäkologe und Geburtshilfe in Leipzig und Dresden, wo er auch die Leitung des kgl. sächsischen Entbindungsinstituts übernahm. Hermanns Auskunft über altgriechische Begrifflichkeiten zur Geburtshilfe dürften Grensers Zeit in Leipzig (1843-1845) zuzuordnen sein, wo er den Begriff eventuell für eine Vorlesung oder Publikation benötigte. - Sammlervermerk in Blei: "ex to 1843." Mit Siegelresten und Ausrissen..

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