Heinrich Julius

Heinrich Julius

postulierter Bischof von Halberstadt, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg und Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel, von 1582 bis 1585 auch Administrator des Bistums Minden. Er regierte von 1589 bis zu Schriftstück mit eigenhändiger Unterschrift. Wolfenbüttel. Folio. 2 1/2 pp. Doppelblatt. Papiergedecktes Siegel.
$ 2,557 / 2.200 € (83943)

Herzog Heinrich Julius liebte Theater und Schauspiel. Aus England engagierte er eine Schauspieltruppe unter der Leitung von Robert Browne und dem beliebten Schauspieler Thomas Sackville. Aus dem geplanten kurzen Gastspiel wurde ein Aufenthalt von mehreren Jahren. In dieser Zeit spielte die Truppe nicht nur für den Hof, sondern auch für das Volk auf Straßen und Plätzen. Sesshafte Theaterensembles gab es bis dahin in Deutschland nicht, deshalb gilt Wolfenbüttel auch als erste deutsche Stadt mit einem festen Theater. Auch der literarisch engagierte Herzog verfasste für die englische Truppe Stücke im Stil der herkömmlichen volkstümlichen Schwankliteratur, verband dies aber mit dem Anliegen, die Zuschauer zu belehren und von Lastern fernzuhalten.

Die Stücke hatten offensichtlich einen gewissen Publikumserfolg, wurden sie doch auch noch später von der Truppe auf Gastspielreisen außerhalb Wolfenbüttels gespielt. Als sein bestes Werk wird die Komödie Von Vincentio Ladislao Sacrapa von Mantua von 1594 genannt, in der er das von Plautus überlieferte Thema des „Bramarbas“ aufgriff. Seine Stücke enthalten realistische Szenen aus dem Alltagsleben neben drastischen Effekten, Tanz- und Musikeinlagen und Narrenfiguren. Erst 1855 erschien eine von W. L. Holland besorgte Gesamtausgabe der Dramen. Als weiterer bedeutender Künstler dieser Zeit weilte Michael Praetorius, einer der berühmtesten Komponisten des Frühbarock als Hofkapellmeister in Wolfenbüttel. Für die Kirchenmusik bearbeitete er mehr als tausend evangelische Kirchenlieder, am berühmtesten ist seine Vertonung von Es ist ein Ros entsprungen. Als Musiktheoretiker machte er sich durch sein Werk Syntagma musicum einen Namen. Schließlich veröffentlichte er für die Unterhaltungsmusik bei Hofe Terpsichore, eine Sammlung von über 300 größtenteils französischen Tänzen. In den 1590er Jahren lag Heinrich Julius im Streit mit seinem Landadel. Als Mittel der Auseinandersetzung ließ er mehrere silberne Spottmünzen, die sogenannten emblematischen Taler, in großer Zahl prägen (z. B. 1595 den Rebellentaler, 1597/98 den Wahrheitstaler und 1599 den Mückentaler). Obwohl Heinrich Julius protestantischer Fürst war, erwarb er das Vertrauen des katholischen Kaisers Rudolf II. und wurde sein Ratgeber. Nach dem Jahre 1600 hielt sich Heinrich Julius bis zu seinem Tode 1613 mehrmals, teilweise für längere Zeit, am kaiserlichen Hof in Prag auf, wo er ab 1607 Direktor des Geheimen Rates war und unter anderem mit seinen ausgezeichneten juristischen Kenntnissen die kaiserliche Politik mitgestaltete. Gleichzeitig ließ er ab 1600 das bereits von seinen Vorfahren gegründete Lehns- und Landesaufgebot in seinem Fürstentum durch seinen General Kriegskommissarius David Sachse reformieren. Dies bedeutete, dass Teile der Bevölkerung militärisch ausgebildet wurden. In früheren Zeiten wurde diese Einrichtung nur zur Festungsbefestigung und Landesverteidigung genutzt. Für kriegerische Züge wurden hauptsächlich Landsknechte angeworben; die Söldnerheere verursachten jedoch hohe Kosten und die Männer konnten sich nach ihrer Entlassung nur schlecht in die Gesellschaft integrieren. Im Sommer des Jahres 1605 waren die Vorbereitungen zur Ausbildung des Lehns- und Landesaufgebotes abgeschlossen und bereits im Herbst griff der Herzog die Stadt Braunschweig an, mit der er seit langem im Streit lag. Eine erfolglose Kampfführung durch David Sachse ließ diesen Angriff jedoch scheitern. Heinrich Julius starb am 20. Juli 1613 in Prag und wurde in Wolfenbüttel beigesetzt. Sein Nachfolger in Wolfenbüttel wurde sein Sohn Friedrich Ulrich..

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