Wilhelm Hauff

Hauff, Wilhelm

Schriftsteller (1802-1827). Eigenh. Brief mit U. [Stuttgart. 1 S., verso Adresse (Faltbrief). 4to. Beiliegend Stahlstichportrait.
$ 8,510 / 7.500 € (938152/BN938152)

Unbekanntes Schreiben an den Schriftsteller Carl Herloßsohn (1804-49), unter der Adresse der Taubert'schen Buchhandlung, Leipzig: "Verehrter! Die vielen Geschäfte, die eine Redaction des M[orgen] Blattes und eine Vorbereitung auf die Hochzeit, die in 14 Tagen von sich gehen soll, machen, müßten einigermaßen mein Schweigen entschuldigen, wenn ich auch nicht vor acht Tagen in München gewesen wäre. So gerne ich Ihrem Wunsche entsprechen würde, so kann es gewiß nicht seyn. Ich habe schon vier solcher Anträge aus dem Grund abgelehnt, daß ich selbst ein Taschenb.

redigire und nicht bei einem zweiten figuriren kann; es geht also wahrhaftig nicht! [Und] einen Beitrag kann ich Ihnen nicht geben ohne Brockhaus, Hell, Lambert [?] etc. etc. welchen ich abgeschlagen, aufs tiefste und ganz ohne Grund zu beleidigen. Ihre Kräfte sind übrigens der Sache gewachsen, wenn Sie auch allein stehen. Daß ich meine kritische Stimme für sie laut werden lassen und Ihre Sache unterstützen werde, kann ich Sie versichern. Ich denke wir können auch gute Freunde bleiben, wenigstens soll es an mir nicht fehlen. Auf ihre Novelle freue ich mich sehr. Entschuldigen Sie meine Eile mit dem lieben Mund meiner Braut, die nun gerade gerne geküßt sein möchte. Leben sie wohl und gedenken Sie zuweilen Ihres ganz ergebenen Dr. W. Hauffs. / Nach diesem Brief werde ich schließen. Uebrigens erzählt man sich von meiner Zerstreutheit noch tollere Anecdoten, als welche Sie erlebten." - Herloßsohn, der sich wie Hauff über den populären Autor Heinrich Clauren belustigte und durch Hauffs Clauren-Parodie "Der Mann im Mond" zu Hauffs Bewunderer und Nachahmer wurde, plante "ein Taschenbuch herauszugeben, das (wie Claurens) 'Vergißmeinnicht' heißen, aber nicht mehr aus parodistischen Texten bestehen sollte", und hatte Hauff, dessen Namen er gern auf dem Titelblatt gesehen hätte, um seine Mitarbeit gebeten (Fischer, S. 126). Bereits mehrere Wochen zuvor hatte Hauff das Ansinnen abgelehnt, da er selbst mit der zunehmend unerfreulichen Redaktion von Cottas 'Taschenbuchs für Damen' ausgelastet war; außerdem müsse er fürchten, als unruhiger Kopf in Festungshaft genommen zu werden (Brief vom 26. 12. 1826, in: Hauff, Werke II [hg. v. H. Engelhard], S. 887). Darüber hinaus steckte er in den Vorbereitungen für die Hochzeit mit seiner Cousine Louise, die am 13. Februar stattfand. Auf der anschließenden Sommerreise nach Tirol zog sich Hauff die Typhuserkrankung zu, an der er noch 24-jährig am 18. November 1827 starb. - Die Bedeutung von "Hauffs Korrespondenz mit Autoren, Verlegern und Herausgebern" ist von Susanne Fischer in ihrer gleichnamigen Magisterschrift (Hamburg 1988) gewürdigt worden; ihr Zensus gibt 207 bisher bekannte erhaltene Von-Briefe an, wovon 97 nicht veröffentlicht seien, die restlichen 110 zum Teil nur in Auszügen. - Verso in roter Tinte Empfängervermerk: "Dr. W. Hauff / Jänner 1827". Gefaltet; etwas fleckig; Randeinrisse: Ausriss (mit minimalem Buchstabenverlust) von der Siegelöffnung in den 1880er Jahren hinterlegt. Spuren alter Montage in Registraturband..

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