Friedrich von Hagedorn

Hagedorn, Friedrich von

Dichter (1708-1754). Eigenh. Brief mit U. Hamburg. 4 SS. auf Doppelblatt (Wasserzeichen: doppelstrichige Antiquaversalien "IKM"). 4to.
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Unbekannter Brief an den Schriftsteller Nikolaus Dietrich Giseke (1724-65): "Sie machen mich, auf die gefälligste Art, ungewiß, ob ich mit grösserm Vergnügen Ihre Predigten oder Ihre Briefe lese: so sehr verdienen beyde meine gantze Hochschätzung. Mir ist, allererst vor drey Tagen, und zwar zu Rugenbergen, auf dem Gebiete und im Saale dH. Dr. [Jacob] Rölcke, eingefallen, daß, da der Diaconus in Zehren, dH. [Gottlieb] Fuchs, unverantwortlich, vergessen hat, seinem so gütigen Fürsprecher, dem Herrn Abt [Johamm Friedrich Wilhelm] Jerusalem, sein neues Glück zu melden, mir um so mehr oblieget, Se.

Hochwürden davon, ohne längeren Verzug, zu benachrichtigen und nochmals zu danken, daß dieser rechtschaffene Mann mein dreistes Bitten damals, als der Diaconus zu Zehren ohne alle Hülfe und Hofnung war, aufs grosmüthigste, Statt finden lassen. Dieser ist gewiß glücklich. Schon itzo stehet er, in einer der angenehmsten Gegenden von Sachsen, im Amte, zu 400 Thlr., ohne, wie andere, mit dem Ackerbau zu schaffen zu haben: vier Meilen von Dresden, eine diesseits Meissen, an der Elbe. Der Dresdensche Bürgermeister [Ernst Chr.] Hübner, ein vernünftiger, angesehener Mann, hat ihm nicht nur seine Stieftochter zur Gehülfin gegeben, mit der er durch dH. Dr. [Johann Joachim Gottlob] Am-Ende getrauet worden, sondern ist auch, wie dH. [Johann] Vaake mich versichert, würklich im Stande, ihn nach Dresden beruffen zu helffen. Wer hätte vor einigen Jahren ihm dieses verheissen können? Dieses nun gedachte ich an dH. Abt selbst zu schreiben. Die einzige, vielleicht unhinlängliche, Ursache warum es nicht geschiehet, ist, daß ich Ihn mit keiner Antwort bemühen mag, da ich weiß daß mit Seinen Höflichkeiten und Freundschafts-Bezeugungen nur die beschwerlichste Menge Seiner Geschäfte in Vergleich zu stellen stehe. Ich bitte Sie also, Ihm dieses, zu einer gelegenen Stunde, anzuzeigen, meinen Dank recht gros und so wie ich meine Schuldigkeit empfinde vorzustellen, und zugleich dem ehrlichen Engelländer, der wahrlich Seiner Achtung nicht unwürdig, ein Geistlicher ist und es zu seyn verdient, so lange dessen kurtzer Aufenthalt in Braunschweig währt, eine gütige Aufnahme aufs beste zu erwircken. Mein Brief an dH. [Johann Arnold] Ebert wird diesen meinen Nachbarn und recht wehrten Freund, Mr. [Timothy] Neve, Ihnen kennbar machen und ich ersuche, den Brief zu lesen, ehe Sie ihn dH. Abt darstellen und empfehlen. Ich habe gedacht, ihn insonderheit mit dem glücklichen Übersetzer des Young bekannt machen zu müssen und diesem, nicht weniger als jenem, damit eine Gefälligkeit zu erweisen. - Ich liebe unsern Freund Klopstock je mehr ich ihn kennen lerne. Wir haben, bey dH. Dr. Rölcke, zu Rugenbergen, ein paar Tage recht vergnügt zugebracht, allwo ich auch dH. Hofmeisters Lutterloh Gesellschaft gehabt habe, die mir sehr angenehm gewesen ist. Nur dH. Klopstocks seiner kan ich nicht immer so habhaft werden, als ich wünschte. - Man macht mir Hofnung, daß Sie bald wohlversorgt seyn werden. Es gehe Ihnen wohl, in Ihren jungen und alten Tagen! Das wünsche ich Ihnen hertzlich. Sie verdienen diesen Anwunsch und ich bin unveränderlich / Ihr / Ergebenster Diener / Hagedorn." - Einige alte Bleistiftanstreichungen und Numerierung "46". Zeitgenöss. Faltspuren; etwas gebräunt bzw. braunfleckig; die Ränder stellenweise mit kl. Läsuren. Während das erwähnte, am selben Tag verfasste Schreiben an den Dichter und Übersetzer Johann Arnold Erbert in der Bibliothek Wolfenbüttel überliefert ist (Slg. Vieweg 642; Briefe Nr. 176), war das vorliegende Schreiben bislang unbekannt..

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