Chemiker und Nobelpreisträger (1868-1934). Ms. Brief mit eigenh. Unterschrift. Berlin-Dahlem. 8vo. 1 1/4 pp. Gedr. Briefkopf. Lochung am Rand.
$ 1,743 / 1.500 €
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An Professor Richard Marc (1863–1940), Professor für Physik in Jena, bekannt u. a. für seine Beiträge zur Kolloidforschung: „[…] Entschuldigen Sie, dass ich Ihnen erst verspätet antworte. Es freut mich sehr, dass Sie die Arbeit übernehmen wollen, und ich bitte Sie, sie so bald zu erledigen, als es Ihnen möglich ist. Ich weiß selbst, dass man in solchen Dingen nichts auf Tag und Stunde versprechen kann, und ich freue mich, dass Sie es überhaupt tun wollen. Ich hoffe, Herr Baur hat Ihnen die Zeitschrift geschickt, für die der Aufsatz bestimmt ist, und ich nehme an, dass Sie bezüglich des Umfanges darin wenig beschränkt sind.
Eventuell würde gewiss der Redakteur eine nähere Auskunft geben, wenn Sie unter Bezugnahme auf unsere Korrespondenz sich an ihn wenden. Vielleicht erwähnen Sie dabei, dass mir der Wunsch durch das Kali-Syndikat selbst ausgedrückt worden ist, damit kein Zweifel entsteht, dass die Publikation von Seiten der Direktion des Kali-Syndikats gewünscht wird. […]“ Fritz Haber (1868–1934), einer der führenden deutschen Chemiker seiner Zeit, war zu diesem Zeitpunkt Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für physikalische Chemie und Elektrochemie (gegründet 1911 in Berlin-Dahlem). Er war bereits durch seine Arbeiten zur Ammoniaksynthese (gemeinsam mit Carl Bosch – später das Haber-Bosch-Verfahren) bekannt geworden, die für die Düngemittel- und Sprengstoffproduktion revolutionär war. Haber war eng mit der deutschen chemischen Industrie verflochten, insbesondere mit der BASF, der IG Farben (später) und auch mit Rohstoff-Kartellen wie dem hier erwähnten: Das Kali-Syndikat war ein Zusammenschluss deutscher Kalibergwerke zur Kontrolle von Abbau und Vertrieb von Kalisalzen – essenziell für die Düngemittelproduktion. Es war zugleich wirtschaftliches Machtinstrument und nationales Prestigeprojekt. Die deutsche Kaliproduktion war zu Beginn des 20. Jahrhunderts weltweit führend. Haber erwähnt, dass das Kali-Syndikat selbst den Wunsch geäußert hat, eine bestimmte Arbeit (vermutlich mit wissenschaftlichem Bezug zur Kalinutzung oder Düngemittelforschung) zu veröffentlichen. Dies zeigt: den direkten Einfluss von Industrie auf die wissenschaftliche Publikationspraxis, dass Wissenschaftler wie Haber Vermittlerrollen zwischen Forschung, Industrie und wissenschaftlicher Öffentlichkeit übernahmen..
