Friedrich von Gentz

Gentz, Friedrich von

österreichischer Staatsmann (1764-1832). Eigenh. Manuskript. 8vo. 12 SS.
$ 2,843 / 2.500 € (60016)

Tagebuchnotizen von seiner Reise entlang des Rheins (1818): „Sonnabend, den 26. Septbr. Abends um 8 Uhr zu Ehrenbreitstein […] Cölln. Sonntag Abend 11 Uhr. Wir haben diesen Abend um halb 2 Uhr unsern Einzug in Cölln gehalten. Einzug muß ich es nennen, […] Die ganze Population dieser großen Stadt war uns entgegen gegangen […]“.

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Gentz, Friedrich von

österreichischer Staatsmann (1764-1832). Autograph letter draft. O. O. 20 SS. auf gehefteten gefalt. Doppelbll., halbbrüchig beschrieben. 4to.
$ 7,391 / 6.500 € (32069/BN22584)

To Philip Henry, 4th Earl Stanhope (1781-1855, later custodian of Kaspar Hauser), discussing the political situation in Europe after the Battle of Navarino, which led to Greek independence from Ottoman rule. Gentz, no disciple of Philhellenism, anticipates the importance of the Battle's outcome for the European balance of powers and deplores the roles played by the political forces of the Great Powers. Gentz writes to the Earl, whose enthusiasm for all things German irritated his English countrymen, in German, penning only a draft and leaving the fair copy to his secretary, as he assumes his own handwriting might pose a problem to the unaccustomed reader: "[...] Ich laße diesen Brief durch eine fremde, aber vollkommen sichre Hand schreiben, weil ich einmal weiß, daß deutsche Briefe Ihnen die liebsten sind, und doch besorge, daß Sie meine Hand mit etwas mehr Anstrengung als eine Kanzley-Schrift lesen möchten [...] Sie kehren, Mein Verehrter Lord, in einem höchst entscheidenden Augenblicke in Ihr Vaterland zurück.

Nach allem, was sich in den letzten vier oder sechs Wochen in England zugetragen hat, scheint mir eine Ministerial-Revoluzion unvermeidlich. Die öffentliche Meynung spricht sich täglich stärker und drohender über das Attentat von Navarin, den Traktat von London, und die ganze verderbliche Politik, die diesen Traktat erzeugt hat, aus [...] Das alles hat in den letzten vier Wochen eine andre Gestalt angenommen. Ihre Minister hatten sich geschmeichelt, daß Oesterreich durch seinen Einfluß in Constantinopel die Türken zum Nachgeben bewegen, und daß ihnen dies einen Ausgang aus dem Labyrinth, in welches sie sich durch ein grundfalsches und verderbliches System verwickelt hatten, bereiten würde. Diese Aussicht schlug fehl. Obgleich unser Cabinet, mit altgewohnter Treue und Ehrlichkeit alle seine Kräfte anstrengte, um den letzten Bruch zu hintertreiben, so war doch, seit der Katastrophe von Navarin, und bey dem fortdauernden höchst unklugen und feindlichen Benehmen der drey Gesandten, nach dieser Katastrophe, jeder Versuch bey der Pforte fruchtlos. [...] Die französische Regierung ist die verachtetste, und die verächtlichste die es heute in Europa giebt. Hierüber sind alle Parteyen einig. Wie diese im Todeskampf begriffne, elende Regierung die Türkisch-Griechische Sache behandelt hat - wird man dereinst den Geschichtsschreibern kaum glauben [...] Für Rußland allein haben England und Frankreich gearbeitet, für Rußland allein den unseligen Tripel-Traktat unterzeichnet, für Rußland allein bey Navarin die Türkische Seemacht vertilgt [...] Der Weg nach der Hauptstadt des Türkischen Reiches ist jetzt dem Russen auf allen Seiten geöfnet [...] Und das alles setzt England für das lächerlichste aller Hirngespinste, für die sogenannte Befreyung der unwürdigsten Rebellen, die je die Sonne beschienen hat, aufs Spiel! It cannot be [...]". - An extensive letter draft with numerous autograph insertions, deletions, and changes. Later publication note by a different hand (c. 1870) at the top of f. 1r; a quote which Gentz omitted from the letter (obviously intending his secretary to supply the text) bears the later editor's pencil note: "Die Stelle fehlt". - Highly characteristic document of Gentz's judgment of the European situation at the moment of the birth of modern Greece: one of the most talented statesmen of his time proves great skill in appraising the political results for the Great Powers; at the same time, the letter gives evidence that a visionary evaluation of the Greek cause, so highly regarded by many contemporaries, was beyond Gentz's capacity or inclination..

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Gentz, Friedrich von

E. Brief mit U.
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Friedrich von Gentz (1764–1832), Schriftsteller, Staatsdenker und Politiker. E. Brief mit U. („Gentz“). O. O., 12. März 1823. 1¾ SS. auf Doppelblatt. 4°. – An den Historiker und politischen Publizisten Joseph von Hormayr (1782–1848), dem er für einen Artikel über die Überführung der Gebeine Andreas Hofers in die Hofkirche zu Innsbruck dankt: „[...] Ich wüßte [...] nicht das Geringste darin zu ändern. Es giebt einen Punkt, aber einen sehr wenig bedeutenden, in welchem ich viel strenger bin als Sie; ich citire ungern Verse (Sie haben eine besondre Neigung dazu) die nicht vom ersten Schrot und Korn sind. Weißenbachs Strophen, obgleich uncorrekt und etwas gemein, laße ich doch gelten, weil sie charakteristisch sind, und hier eine gute Wirkung thun. Aber Theodor Körner – den ich überhaupt nicht sehr liebe, und der gewiß wohl gethan hat, so früh zu sterben – entbehre ich recht gern. Ich reisete im vergangnen Oktober zum erstenmahl durch Tyrol; und, trotz meiner alten Passion für Salzburg, kan[n] ich Ihnen versichern, daß jenes Land von mancher Seite einen noch größern Eindruck auf mich machte. Mit bitterm Gram hörte ich [...] die politische Denkart der Tyroler habe sich allerdings seit 4 oder 5 Jahren etwas deteriorirt, die revolutionäre Seuche habe auch dies edle Volk nicht ganz verschont. Gerade in Botzen kamen mir hierüber die bedenklichsten Data zu! Wenn das wahr ist, so haben die Schurken, welche die Württembergischen Zeitungen schreiben, oder welche in der Bayerschen Deputirten-Kammer sprechen, sich nicht einmal das traurige Verdienst daran zuzuschreiben. Wenn es wahr ist, wenn auch Tyrol theilweise verderbt werden konnte, so haben es Andre zu verantworten, die ich nicht anklagen mag [...]“. – Die Verso-Seite von Bl. 2 mit einer kleinen e. Notiz mit U. Hormayrs vom 9. Februar 1830. – Nach seinem Zerwürfnis mit Metternich sollte Hormayr 1827 einem Ruf König Ludwigs I. nach München folgen. – Mit einem kleinen alt reparierten Einriß und einem gleichfalls ausgebesserten Ausriß auf Bl. 2.