Friedrich von Gärtner

Gärtner, Friedrich von

bedeutendster Baumeister im Königreich Bayern unter Ludwig I. (1791-1847). 3 eigenh. Briefe mit Unterschrift. Neapel und Palermo. Zus. 22 S. Gr.-4to bis gr.-8vo. Ein Brief mit Adresse. Leicht gebräunt. Einige Randläsuren. Zwei Briefe mit Desinfektionseinschnitten. Alt geheftet.
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Inhaltsreiche Briefe von seinem Studienaufenthalt in Italien an seinen Vater, den „Hofbau Intendanten“ Johann Andreas Gärtner. – Der junge Gärtner, der sich in den Jahren 1814-1818 in Italien aufhielt, schildert den Daheimgebliebenen detailliert und anekdotenreich seine Erlebnisse und Beobachtungen aus dem fernen Land. Architektur- und Landschaftsbeschreibungen wechseln sich ab mit der Schilderung aufregender Wanderungen, gefährlicher Schiffspassagen und neuer Reisebekanntschaften. Neapel 6.

Mai 1816. Schilderung des ersten Teils seiner Reise von Rom nach Neapel. „[…] Wir waren von Vel[l]etri aus so glücklich von einer Squadra di Sbirri von 20 Mann bis an Torre di tre ponti […] begleitet zu seyn. Veletris Stadtthore sind nur mit abgeschlagenen Räuberköpfen verziert und in Cisterna 50, in Fondi, der Wirth u. Posthalter[,] in Itri 200 Kerls eingesperrt, denn hier ist auch das Kind im Mutterleibe schon zu Spitzbuben u. Räuber bestimmt […] Es ist sonderbar je näher ich mich der Gefahr weiß desto weniger fürchte ich sie, und je mehr davon entfernt je schauerlicher komt sie mir vor […]“ Neapel 27. Mai 1816. Nach der Schilderung des zweiten Teils seiner Reise, mit ersten – eher ernüchterten – Eindrücken von der Stadt. „[…] endlich erscheint der oft und abermals erwähnte Feuerschlund – Vesuv. Der Horizont des Meeres erscheint, unterbrochen von den herrlichen Inseln Capri und [Procida], auf einmal liegt die ganze Stadt St. Elmo und der Golf[,] der Hafen[,] die Inseln Ischia etc. vor dem erstaunten Auge. Soviel man sich nun durch den ueberaus herrlichen Anblick im Innern auch verspricht – so sehr verliehrt es an sich selbst. Die Häuser nach den ganz schlechten modernen Geschmacke, vielfarbig oft angestrichen noch ärger als das Haus vor dem Maxthore mit den schönen Läden. Da ruft nun eine Stimme […] wo sind die Palläste von Rom, wo findest Du den Geist des Schönen der auch in dem kleinsten Theile sich oft äußert. So beschauend fuhr ich den[n] bis in die Mitte der Stadt. Alles erinnerte mich an Paris. Das Leben, das Schreyen, die Wagen, die Eleganz der Buden, Caffés etc. […]“ – Es folgen ausführliche Beschreibungen seiner Ausflüge nach Pozzuoli, Portici, Ercolano („Resina“) und Pompeji („Hier tritt man eigentlich in das bürgerliche Leben der Alten. Man sieht ihre Art zu leben u. zu handeln“). Palermo 6.VI.1816. Der Brief beginnt mit einer mehrseitigen Beschreibung einer Vesuv-Besteigung. „[…] Mit zagendem Schritte, ich gestehe es, folgte ich dem Führer. Noch einige Schritte und mit ausgebreiteten Armen stund jeder staunend – und stumm und staunten und blieben still. Da unterbrach der schreckliche Schlund unser Stillgeschweig. Ein […] Ausbruch der größte den wir bisher sahen, stieg donnernd ganze 800 Schuhe in die Atmosphäre[.] Der 2te Grater folgte ihm der mit dem Krachen wie von 100 Kanonen seine Gluth ausspieh. Glühende Schlacken Stein von ungeheurer Masse, flogen in der Luft umher […] Ich hohlte mir ein Stück dieser Gluth, obschon in einem Augenblick naß an ganzem Leibe, bey der Annäherung von der Hitze, und zündete, um nicht aus der Art zu schlagen auch meine Pfeife an der glühenden Lava an. Andere konnten es noch vor 2 Monathen am Krater selbst. Jetzt kann man sich nur auf 200 Schritte demselben […] nähern […]“ Von Neapel aus führt die Reise nach Sizilien, das er nach einer dreitägigen Überfahrt am 3. Juni erreicht..

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