Rebecca Friedländer

Friedländer, Rebecca

Schriftstellerin und Freundin Rahel Varnhagens (1783-1850). Eigenhändiger Brief mit Unterschrift. ohne Ort und Datum. 8vo. 1 p.
$ 586 / 550 € (81860)

An Kommerzienrat Feist: „[…] Jetzt nehme ich Ihre Güte in Anspruch […]“ Rebecca Friedländer veröffentlichte zahlreiche Romane und Erzählungen, die teilweise mehrere Auflagen erlebten. Sie kann als eine der ersten deutschen Schriftstellerinnen jüdischer Herkunft angesehen werden. Sie übersetzte und bearbeitete zudem zahlreiche Dramen aus dem Französischen und veröffentlichte Gedichte und Aufsätze in Zeitschriften wie dem „Mode-Journal“ von Friedrich Justin Bertuch, dem von Biedenfeld und Kuffner herausgegebenen Magazin „Feierstunden“ und der „Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode“. Viele ihrer Romane und Erzählungen spielen im aristokratischen Milieu und verbinden Liebesgeschichten mit komplizierten Verwicklungen.

Eine Besonderheit für zeitgenössische Leser stellte ihr zweiter anonym erschienener Roman Schmerz der Liebe dar. In diesem Schlüsselroman verarbeitete Rebecca Friedländer den aktuellen Klatsch der jüdischen Gemeinde Berlins, den sie in eine fiktive aristokratische Gesellschaft verlegte. Eine der so porträtierten Personen war ihre Freundin Rahel Varnhagen. Rebecca Friedländer und Rahel Varnhagen verband eine Freundschaft, die seit 1805 auch in einem intensiv geführten Briefwechsel bestand. Insgesamt 158 Briefe Rahel Varnhagens an Rebecca Friedländer sind überliefert, während Rebecca Friedländer ihre Briefe im hohen Alter von Rahel Varnhagen zurückverlangte und anschließend verbrannte. Beiden Frauen gelang es, sich von den herkömmlichen patriarchalischen Familienmustern wenigstens zum Teil zu befreien und sich gleichzeitig wirksam für die Emanzipation der Juden in der Gesellschaft einzusetzen. Die Freundschaft endete, als Rahel Varnhagen sich in Rebecca Friedländers Roman Schmerz der Liebe in der Figur der Baronin Charlotte von Willingshausen wiedererkannte, deren Charakter von Gräfin Arberg, die Züge der Autorin trägt, wenig schmeichelhaft gezeichnet wird: In ihren Aeusserungen über Menschen und menschliche Verhältnisse, war sie hart und schneidend. Für große Weltbegebenheiten konnte sie sich mit Wärme interessieren, von Literatur und Kunst mit Begeisterung sprechen; aber alles, was sich in der Gesellschaft zutrug, ließ sie kalt. Was sie wahr seyn nannte, war oft nur Erbitterung ihres Herzens, die aus mancherlei Erfahrungen und Unglücksfällen entsprungen, ihr ganzes Wesen gleichsam mit Galle stempelte. Rahel Varnhagens damaliger Verlobter, Karl August Varnhagen von Ense, veröffentlichte unter Pseudonym August Becker eine scharfe Kritik des Romans sowie des Erstlings und der Erzählungen während Rahel Varnhagen den Briefwechsel mit Frohberg einstellte. Ob Frohberg von Varnhagens Autorschaft der Rezension wusste, ist unklar; das Verhältnis blieb ungetrübt, und 1834 besuchte Karl August Varnhagen Regina Frohberg in Wien. Vier Jahre nach der anonymen Erstveröffentlichung erschien von Schmerz der Liebe eine zweite Auflage. Beide Autorinnen schenkten ihren Briefwechsel Karl August Varnhagen, der mit diesem Konvolut begann, die Korrespondenz seiner Frau zu sammeln, zu transkribieren und möglichst vollständig zu überliefern..

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