Sigmund Engländer

Engländer, Sigmund

demokratischer Schriftsteller (1828-1902). Eigenh. Brief mit Namenszug und U. ("Sigmund"). Paris. 4 SS. auf Doppelblatt. 4to.
$ 1,961 / 1.800 € (88963/BN59015)

In mannigfacher Beziehung interessanter Brief an einen seiner Brüder nach der Flucht aus Wien, zu politischen Themen, zum Sozialismus in Frankreich, zu Revolution versus Bourgeoisie und mit aufschlussreichen Beobachtungen im Pariser Stadtleben. Entrüstet über die Wahl Louis Napoleon Bonapartes zum Präsidenten, die Gleichgültigkeit der Pariser zu den Vorgängen in Siebenbürgen, Italien und Österreich sowie mit Bewunderung für die Ideen Proudhons und dessen Zeitung "Le peuple": "So bin ich denn hier, fern von meinem geliebten Vaterland, fern von meinen Verwandten, fern von Dir, nahe dem père Lachaise, wo Börnes Leiche ruht, der hier seinen Schmerz wegen Deutschlands Unglück verlebte.

Dieser classische Boden der Revolution, dieser Heerd der Freiheit ist durch einen Cretin entweiht, der zum Präsidenten gewählt wurde, weil man den Bauern vorschwatzte, daß er drei Millimeter für sie habe. Wie sehr ist Paris gesunken! [...] Ledru-Rollin ist ein Schwätzer, der nicht weiß, was er will, schwimmt im Nebel des Socialismus herum, Proudhon ist ein Mann voll Geist und Ziel, der genau weiß, wie zu helfen ist [...]". - Sigmund Engländer wurde während der Revolution 1848 als einer der ersten Journalisten vom Pressegericht für die Herausgabe der Zeitschrift "Wiener Katzen-Musik“ (Charivari) verurteilt und floh Ende 1848 nach London. Er führte einen umfangreichen Briefwechsel mit Friedrich Hebbel und war in Paris dessen Vermittler zu Heinrich Heine. - Mit Spuren alter Faltung, stellenweise etwas berieben und tintenfleckig (Textberührung), leicht fingerfleckig..

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