Georg Friedrich Daumer

Daumer, Georg Friedrich

Religionsphilosoph und Dichter; Erzieher von Kaspar Hauser (1800-1875). Eigenh. Brief m. U. Nürnberg. 4to. 1 Seite. Blaues Papier. Mit Siegelspur und Adresse. Randeinschnitte (zur Siegelöffnung), leicht braunfleckig.
$ 1,806 / 1.600 € (49602)

An den Verleger Heinrich Brockhaus in Leipzig wegen seiner neuen Sammlung persischer Gedichte „Hafis“. – Die erste Ausgabe war 1846 bei Hoffmann & Campe erschienen. „[…] Nachdem ich Ihnen auf Ihre Anregung […] hin das Manuskript meines neuen Hafis zum Zweitenmale zugesendet, wartete ich geraume Zeit auf die definitiven Bestimmungen, die Sie mir demnächst zukommen zu lassen versprochen hatten. Da sie nicht eintrafen, so erlaubte ich mir eine Anfrage deßhalb u erhielt die […] Antwort, daß Sie in London seien u daß ich mich daher noch einige Zeit lang gedulden möge.

Nachdem nun wieder ein ziemlich langer Zeitraum verstrichen, ohne daß mir irgend eine Nachricht über den Gang der Sache geworden, bin ich so frei, noch einmal an diese Angelegenheit zu erinnern […] Eine gar zu lange Verzögerung des projektirten Unternehmens […] muß mir um so unangenehmer sein, da ich im Anfang auf bestimmte Zeiterscheinungen Rücksicht genommen […]“ - Die neue Sammlung erschien im folgenden Jahr bei Bauer & Raspe in Nürnberg..

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Daumer, Georg Friedrich

Religionsphilosoph und Dichter; Erzieher von Kaspar Hauser (1800-1875). Eigenh. Manuskript m. U. „G. Fr. Daumer“. Nürnberg. 4to. 8 1/4 Seiten. Bläuliches Papier. Gering fleckig.
$ 9,592 / 8.500 € (49603)

Biographische Skizze, wohl für das Konversationslexikon von Brockhaus geschrieben. Beginnt: „Ich bin geboren zu Nürnberg am 5. März 1800, ein Sohn bürgerlicher Eltern, die erst begütert waren, dann aber in äußerst dürftige u traurige Umstände geriethen, indem namentlich mein Vater geistesschwach und zu allen Geschäften untauglich, meine Mutter aber in die Nothwendigkeit versetzt wurde, sich und ihre Kinder als Wäscherin zu erhalten […] Ich […] übte mich […] schon in früher Jugend in poetischer und musikalischer Produktion […] Der mich übrigens beherrschende religiöse Sinn weckte den Gedanken, Theologe zu werden, u in diesem Sinn ergab ich mich den Studien als Schüler des Nürnberger Gymnasiums, wo damals Hegel Rektor war u Philosophie lehrte.

Dieser Mann machte so großen Eindruck auf mich, daß mir die philosophischen Collegien, die ich nachher in Erlangen zu hören bekam, nur kindisch u läppisch vorkamen. Ich stand auch in näherer persönlicher Beziehung zu ihm […] Ich ergab mich nun dem Studium der Philosophie, hörte den damals zu Erlangen nach langer Zurückgezogenheit auf’s neue hervortretenden Schelling, ging dann nach Leipzig […] ich kehrte […] im Jahre 1822 nach Baiern zurück, bestand ein philosophisches Examen in München u wurde am Nürnberger Gymnasium […] angestellt. Einem so anstrengenden Amte jedoch waren meine geringen physischen Kräfte nicht gewachsen […]“ - Ferner über „die wunderliche Erscheinung des Findlings Kaspar Hauser“ in Nürnberg: „ […] ich wurde aufgefordert, ihn zu besuchen, als er sich im Gefängnißthurm auf der Nürnberger Veste befand. Ich nahm Interesse an diesem merkwürdigen Phänomen, u es gelang mir, mich mit dem innerlich schwer zugänglichen Jünglinge zu verständigen, ihm Vertrauen einzuflößen u durch eine angemessene Unterrichtsmethode einige elementarische Kenntnisse beizubringen. Dies veranlaßte den Magistrat, ihn mir als Pflegekind zu übergeben, u ich behielt ihn so lange in meinem Hause auf der Insel Schutt, bis der Mordversuch vorgefallen war, in dessen Folge man ihn an einen andern, mehr Sicherheit gewährenden Ort versetzte. Eine Frucht der physiologischen und psychologischen Beobachtungen, die ich an diesem Jüngling anstellte, war die Schrift: ‘Mittheilungen über Kaspar Hauser’ […] Sonst teilte ich auch eine Menge schriftlicher Notizen dem Präsidenten Feuerbach in Ansbach mit ...“ - Mit einer ausführlichen Auflistung seiner Werke..

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Daumer, Georg Friedrich

Religionsphilosoph, Lyriker (1800-1875). Eigenh. Schriftstück mit Namenszug. O. O. u. D. 1½ SS. Auf blauem Papier. 4to und 95 x 198 mm.
$ 2,031 / 1.800 € (943226/BN943226)

Betitelt "Über den Begriff des Märtyrerthums. Von G. Fr. Daumer". "Ich habe behaubtet, dass man im romantischen Alterthum unter 'Märtyrer' nicht bloß solche verstanden, die um des Glaubens willen durch Feinde desselben gelitten und getödtet worden, dass der Begriff des Wortes ein weiterer gewesen und dass er auch ein nicht durch widerchristliche [?] Gewaltsamkeiten bewirktes Märtyrerthum gegeben. Ich habe nun in Abulards Briefen an Heloise ein paar Stellen gefunden, welche in dieser Beziehung, sehr ausdrucksvoll und bereichernd scheinen.

Die Art, in welcher ich dieselben schon neulich in Otto Wigand's Jahrbüchern für Wissenschaft und Kunst, Bd. I, Heft I erwähnte, war nur eine sehr beiläufige ohne Aushebung und näheres Citat; ich erlaube mir, sie hier bestimmter mitzutheilen. Sie stehen in Abulard's und Heloise's Werken, S. 122 und 129 der Pariser Ausgabe von 1616, epist. VII. de origine sanctimonialium, und lauten wie folgt: Quis ignoret, feminas exhortationem Christi et consilium apostoli tanto castimoniae zelo esse complexas, ut pro conseruanda carnis pariter ac mentis integritate, Deo se per martyrium offerent holocaustum et gemina triumphantes corona, agnum sponsum vriginum . quoumque ierit sequi studerent? Quam quidem vritutis perfectionem raram in viris, crebam in feminis esse cognovimus […]. Weibliche Personen haben hiernach, vom Eifer der Keuschheit ergriffen und um sowohl die Freiheit des Leibes wie der Seele zu bewahren, sich Gott durch das Märtyrerthum auf den Scheiterhaufen geopfert, und diesen werden auch solche beigeführt, welche aus Tugeneifer und um als reine Jungfrauen zu dem jungfräulichen Bräutigam zu kommen, Hand an sich selbst gelegt […]". - Daumer war als Nürnberger Gymnasiast Schüler Hegels, studierte später evang. Theologie bei Gotthilf Heinrich Schubert in Erlangen sowie an der Univ. Leipzig und lehrte 1823-26 Altphilologie am Gymnasium in Nürnberg; seine kritische Schrift Über den Gang und die Fortschritte unserer geistigen Entwicklung seit der Reformation führte zur Suspendierung vom Unterricht. 1828 wurde ihm vom Nürnberger Rat die Erziehung und Ausbildung des Findlings Kaspar Hauser übertragen, die er 1829 nach einem Attentat auf Hauser niederlegte Daumer behauptete die soziale Inkompetenz der Kirchen, kritisierte ihre Einschätzung von Katastrophen als Strafgerichten Gottes. Später entwickelte er eine auf einen von Gott geschaffenen höheren Menschen bauende "Eremitalphilosophie" und konvertierte 1858 zum Katholizismus..

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