Abraham Calov

Calov, Abraham

Mathematiker, Philosoph und Theologe (1612-1686). Eigenh. Brief mit U. ("A. Calovius"). Wittenberg. 2 SS. Kl-Fol. Mit eh. Adresse.
$ 5,303 / 4.500 € (79266/BN51325)

An den Leipziger Theologen Johann Hülsemann (1602-61) im Zusammenhang des sog. synkretistischen Streits: "Vir pl. Rev. Magnif. Excell.me, D.ne Fautor, Compater, Amice et Frater in Chr.o summopere honorande, Ita omnino res habet, operam ludemus, si ab aula censenda, vel systaticas nostrae synopseos amplius expectamus. Sed ergo quod in manu nostra habemus, arripiendum, ut opera sua necessaria Ecclesiae ne deseratur. Video Dn. D. Wellerum [Jakob Weller] constanter in ea sententia persistere, a Collegio utroque Theologico Collationem Julianae [d.

i. die Universität Helmstedt] heterodoxias cum Aug. Confess. ad alios Theologos, suffragiorum impetrandorum causa deferendam esse. Quam mentem suam semel atque iterum in literis testatus est. Ut ergo manus operi admoveatur, necessum erit, Vener. V.ra Facultas consilium hoc proponat nostro Collegio, modumque procedendi, quem convenientiorem iudicabitis, exponat [...]". - Calov nennt die Universitäten Helmstedt, wo der Begründer der Irenik Georg Calixt (1586-1656) lehrte, und Rinteln als Zentren der Heterodoxie, in Königsberg identifiziert er Christian Dreier (1610-88) als Vertreter der von ihm und Hülsemann bekämpften Lehre. Calov attackiert Dreier, wobei er ihn in einem Atemzug mit Calvin nennt: "Non video multum illis iudicia ista profutura, quia omnia alto supercilio spernit et Calvinianus et Dreierianus spiritu, [...]". Die Religionspolitik des reformierten Kurfürsten Wilhelm von Brandenburg, der Christian Dreier und zwei weitere Ireniker zum letztlich gescheiterten Thorner Religionsgespräch von 1645 entsandt hatte, rechtfertigt für Calov die Bezeichnung "Babylon Prussica". - Bedeutendes Zeugnis des erbittert geführten Streits zwischen den Irenikern um Calixt und Dreier und den zahlreicheren Orthodoxen, mit Calov, Hülsemann und Jakob Weller als besonders lautstarke Protagonisten. Nach Studien in Königsberg und Rostock durchlief Abarahm Calov eine eindrucksvolle akademische Karriere. Auf eine außerordentliche Professor in Königsberg folgte die Bestellung als Rektor des Akademischen Gymnasiums in Danzig. 1645 nahm Calov am Thorner Religionsgespräch teil und trat gegen den von Calixt vertretenen Synkretismus auf. Dank der Unterstützung des Dresdner Hofpredigers Jakob Weller folgte 1650 der Ruf als Professor nach Wittenberg. 1652 wurde Calov zum Pfarrer der Stadtkirche von Wittenberg gewählt. Trotz breiter Unterstützung seiner orthodoxen Positionen führten Calovs Polemiken auch zu internen Konflikten. Im Kampf gegen Calixts Lehren konnte er seine Maximalforderung der Verurteilung des Synkretismus durch die lutherische Kirche nicht durchsetzen. Mit weiteren Angriffen auf Dreier zog sich Calov den Zorn Kurfürst Friedrich Wilhelms zu, der in Folge des Berliner Religionsgesprächs 1662/63 den Brandenburgern das Studium an der Universität Wittenberg untersagte und Polemiken gegen Reformierte unter Strafe stellte. Aufgrund dieser empfindlichen Maßnahme und weiterer Beschwerden wies die Universität Wittenberg 1665 in einem Schiedsverfahren die theologische Fakultät in die Schranken. Wahrscheinlich waren die zahlreichen Kontroversen ausschlaggebend dafür, dass Calov, der 19 Mal das Dekanat der theologischen Fakultät innehatte, nie Rektor der Universität Wittenburg wurde. - Gefaltet, mit Spuren alter Montage und kleinem Ausschnitt an der oberen Schmalseite (kein Textverlust)..

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