Alfred Andersch

Andersch, Alfred

Schriftsteller (1914–1980). 3 ms. Briefe mit eigenh. U. sowie ein ms. Typoskript mit kleinen eh. Korrekturen. Berzona. Zusammen (1½+¾+1½=) 3¾ SS. auf 4 Bll. (Briefe) und 3 SS. auf 3 Bll. (Ts.). 4to und 8vo (Briefe) bzw. 4to (Ts.). Mit 3 (davon 1 eh. adr.) Kuverts.
$ 973 / 800 € (11625)

Alfred Andersch (1914–1980), Schriftsteller. 3 ms. Briefe mit eigenh. U. sowie ein ms. Typoskript mit kleinen eh. Korrekturen. Berzona, 1977 und 1979. Zusammen (1½+¾+1½=) 3¾ Seiten auf 4 Bll. (Briefe) und 3 Seiten auf 3 Bll. (Ts.). 4° und 8° (Briefe) bzw. 4° (Ts.). Mit 3 (davon 1 eh. adr.) Kuverts. – Beiliegend 10 Photographien sowie ein ms. Brief von Anderschs Biographen Stephan Reinhardt. – Mit zahlreichen weiteren Beilagen (s. u.). – An den Feuilletonisten, Essayisten, Biographen und Schriftsteller Rolf Michaelis (geb.

1933) von der „Zeit“ betr. einer Rezension von Heinrich Böll in der „Zeit“ (I), des Abdrucks eines Briefs von Konstantin Simonow (I und II) bzw. über seine Absage der Besprechung des Kriegstagebuchs von Simonow, der für ihn „ein hochkomplizierter, raffinierter Mann des Widerstandes gegen Stalin“ sei (III). I: „Über dieses Zeichen von Ihnen, die Literaturbeilage, die Böll-Rezension, und wie sie aufgemacht war, habe ich mich sehr gefreut, wie Sie sich denken können. Bölls Replik war umso wichtiger, als die Leser natürlich mal wieder unisono gegen den Brief an Simonow votierten; allerdings hängt das damit zusammen, dass Leserbriefe nur immer von den Rechten geschrieben werden, die Linken sind sich zu fein dazu, mir haben einige zustimmend geschrieben, aber auf die Idee, dass Sie ihre Briefe, – in meinem Interesse –, besser an die ZEIT gerichtet hätten, sind sie nicht gekommen. Einen Brief möchte ich Ihnen zeigen, weil er wirklich Substanzielles enthält und für mich (und wahrscheinlich auch für Sie) die nun eingetretene Situation beeinflussen kann. Alexander Kaempfe ist, soweit ich weiss, heute wirklich einer der besten Kenner der modernen russischen Literatur, und vielleicht sollte man seine Gesichtspunkte bei der weiteren redaktionellen Behandlung der Angelegenheit berücksichtigen. Was er über Simonow schreibt, ist für mich natürlich niederschmetternd, dass ich seinen Beurteilungen nicht blind vertrauen kann, zeigt seine flapsige Bemerkung über den Böll-Artikel, aber ich fürchte, – und andererseits hoffe ich –, dass seine Einschätzung der russischen Situation doch richtig ist [...]“ (Br. v. 10. April 1977). – II: „[...] Ihrer Aufforderung entsprechend habe ich einen kurzen Text zur Einführung in den Simonow-Brief geschrieben [...]“ (Br. v. 5. Oktober 1977). A. d. erwähnten Typoskript: „[...] Die ‚Zeit’ war so freundlich, ihren Lesern eine gekürzte Fassung meines Briefs zu vermitteln [...] Von vornherein stand fest, dass die ‚Zeit’ auch die Antwort Simonows auf meinen Brief veröffentlichen würde. Diese Antwort stellte die Redaktion allerdings vor erhebliche journalistische Probleme, denn in ihr trat sogleich die berühmte ‚schirokaja natura’, die ‚breite Natur’ des russischen Charakters hervor – mit anderen Worten: sie war ungeheuer lang. Ein ‚Riemen’, wie man im journalistischen Jargon sagt, und Simonow war nicht gewillt, sich von dem Umfang seiner Ausführungen auch nur ein Wort abhandeln zu lassen. So kam denn dieses ungewöhnliche publizistische Unternehmen zustande: dem Westen wird eine sowjetische Stimme gänzlich unzensiert zu Gehör gebracht; ein russischer Schriftsteller darf sich ausreden ... [...]“. – III: „Ich würde es einfach nicht schaffen, dieses Kriegstagebuch von Simonow zu besprechen. So, wie ich gebaut bin, würde ich mich dazu in einen halben Meter Militärgeschichte hineinarbeiten wollen, dazu käme das Problem der Editionsgeschichte von Simonows Büchern in der Sowjetunion und in Deutschland, deren Zusammenhang mit den Tagebüchern geklärt werden müsste, und da gibt es so rätselhafte Dinge, wie die Neuedition von ‚Tage und Nächte’, versehen mit einem Wachzettel-Wort von Hermlin aus dem Jahre 1946, so dass man also nur annehmen kann, Kindler drucke die Version aus der Stalin-Zeit, was wiederum zu der Annahme führen kann, S. sei nichts weiter gewesen als ein Opportunist, der sich mit den verschiedenen Versionen seiner Bücher durch die verschiedenen Epochen der sowjetischen Nachkriegszeit durchgeschwindelt habe [...]“ (Br. v. 28. September 1979). – Andersch hatte im Oktober 1975 auf Einladung von Konstantin Simonow, dem Vorsitzenden des sowjetischen Schriftstellerverbandes, an einer internationalen Autorenkonferenz in Moskau teilgenommen; in seinem Offenen Brief an Simonow vom selben Jahr hatte er seine Rückkehr zu früher vertretenen sozialistischen Positionen angesprochen und sich zu einer politischen und literarischen Biographie bekannt; im Jahr darauf war ein thematisch vergleichbarer Artikel entstanden, in welchem Andersch den öffentlichen Auftrag eines Schriftstellers definiert. – Die Photographien zeigen Andersch im mittleren und reiferen Mannesalter. – Weiters beiliegend ms. Typoskriptdurchschläge (in Kopie) von „Erinnerte Gestalten“ (95 Bll., 4°), „Gegen den Dezembersturm“ (35 Bll., 4°), „Skizze zu einem jungen Mann“ (20 Bll., 4°; doppelt vorhanden), „Der Außenseiter im Mittelpunkt. Ein Hinweis auf Arno Schmidt“ (27 Bll., 4°), „Jahre in Zügen“ (20 Bll., 4°), „Der Terassen-Morgen [!] oder Variationen über eine zerbrochene Schallplatte“ (9 Bll., 4°; doppelt vorhanden), „Strahlende Melancholie. Stimmungen in Frankreich“ (7 Bll., 4°) und „Bücher schreiben und Filme machen – zwei Berufe in einem Boot“ (10 Bll., 4°) sowie 196 Bll. Photokopien von Briefen Anderschs (u. a. eines Briefes an den Bundeskanzler betr. eines „Gnaden-Akts für Peter Paul Zahl“) und anderer, Notizen (meist von Michaelis), Zeitungsartikeln, Fragmenten, Doubletten u. v. m. – Rolf Michaelis promovierte über „Die Struktur von Hölderlins Oden“ und war hernach Redakteur des Feuilletons der „Stuttgarter Zeitung“. Von 1964 leitete er das Literaturblatt der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, bis er 1968 als deren Kulturkorrespondent nach Berlin wechselte. 1973 wurde er Leiter des Literaturteils der „ZEIT“ und war dort von 1985 bis 1998 als Feuilleton-Redakteur tätig. – Die Briefe jeweils auf Briefpapier mit gedr. Briefkopf..

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