Album Amicorum des Adolf Theodor Kampmann

Album Amicorum des Adolf Theodor Kampmann

Theologe (1806-1842). Das Stammbuch des Elsäßers Adolf Theodor Kampmann mit 57 Einträgen. Straßburg, Wangen. Quer-8vo.
$ 5,334 / 4.500 € (80019)

Der Stammbuchhalter war der Sohn des Pfarrers und Konsistorialpräsidenten in Wangen, Friedrich Christian Kampmann (1751-1831) und seiner zweiten Frau Christine Mall (1762-1840). Seit 1834 verheiratet mit Charlotte Hanitz, einer Schwester des späteren bayrischen Landtagsabgeordneten Dr. August Hanitz (1808-1883). Er war - über seine Schwester Wilhelmine Kampmann (1805-1885) - Onkel und über die Heirat seiner Tochter Amalie im Jahre 1857 gleichzeitig Schwiegervater des Karl Wilhelm Nessler (1830-1904), der die erste Inauguraldissertation zu Jung-Stilling verfasste und von 1880-1884 Abgeordneter im Deutschen Reichstag war. Das Stammbuch enthält keinen Besitzvermerk, die Zuordnung ist aber eindeutig.

In mehreren Beiträgen wird der StBhalter mit dem Vornamen "Theodor" angesprochen, die (Halb)schwester Charlotte Dunker spricht ihn als Bruder an, deren Tochter zeichnet als Nichte. Einige der Einträge erfolgen um 1831 in Wangen, wo der Vater am 16.03.1831 gestorben ist. Qu.: Pfarrerdatenbank, Abruf https://www.prfk.org/data/pfarrerdatebank/article/880-kampmann-friedrich-christian-2541 ; KB Reitwiller; Petra Mertens-Thurner, https://www.jung-stilling-forschung.de/index.php/de/orte/frankreich?id=266 ; https://www.hdbg.eu/biografien/detail/dr-august-hannitz-hanitz/6246; Die Einträge in diesem wohlerhaltenen Stammbuch beginnen unmittelbar nach Abschluß des Theologiestudiums in Straßburg im November 1828 und stammen in erster Linie von Kommilitonen und Verwandten in Straßburg. Wertvoll ist dieses Stammbuch nicht nur durch die Einträge bedeutender elsässischer Schriftsteller und Wissenschaftler ( Gebr. Stöber, Schimper, Stricker), sondern durch die Tatsache, dass viele der Einträger bekannt oder befreundet waren mit Georg Büchner (1813-1837), der im November 1831 in Straßburg sein Studium aufnehmen wird. Die z.T. sehr umfangreichen Einträge spiegeln das intellektuelle Umfeld und die Befindlichkeit gerade der (Gründungs)Mitglieder der im Februar 1828 gegründeten Studentenverbindung "Eugenia" wider, in deren Gesellschaft sich Büchner in seiner Straßburger Zeit vorwiegend aufhält, eine kulturgeschichtliche Quelle von großem Wert. Von den Beigaben ist eine stimmungsvolle Federzeichnung zu erwähnen, die einen wandernden Studenten zeigen mag vor einer typischen elsässischen Landschaftskulisse mit zwei Burgen und zwei am Fuße der Vogesen liegenden Ortschaften mit Weinberg. Die farbige Frauendarstellung könnte die griechische Göttin Harmonia darstellen, die für den nicht weiter nachgewiesenen Studentenbund HARMONIA in Straßburg namensgebend wurde. Von den Einträgern sind erwähnenswert: 512 Straßburg, am Trennungstage den 05.12.1828  Adolph Stöber  ("Vetter und akademischer Bruder") d.i. Adolph Stöber ( 1810 Straßburg - 1892 Mühlhausen) deutscher Schriftsteller, Mitbegründer der der Literaturzeitschrift Erwinia, Mitbegründer der Studentenverbindung Eugenia, Freund Georg Büchners. Qu.: wikipedia; Artikel „Stöber, Adolf“ von Ernst Martin in: Allgemeine Deutsche Biographie,  Band 36 (1893), S. 267. 513 Straßburg, 05.12.1828  Aug. Stoeber   th.stud.  ("akademischer Bruder und Vetter") d.i. August Stöber (1808 Straßburg - 1884 Mühlhausen) deutscher Schriftsteller, die bedeutendste elsässische Sagensammlung des 19. Jahrhunderts stammt von ihm. Qu.: wikipedia; ADB 36, 267ff 514/515 Straßburg, 29.11.1828   Th. Strikker d.i. Gustav Theodor Stricker ( 1807 Straßburg - 1875 ebenda) Theologe und Dichter deutscher Sprache.  Die Zuordnung ist eindeutig, wie ein Schriftvergleich mit den digital verfügbaren Autographen Strickers in der Bibliothèque nationale et universitaire de Strasbourg, dort: Sammlung von Liedern und Gedichten, Sign. MS.6.545 ergibt; der Autor zeichnet gerade in der Anfangszeit durchweg mit Th. Strikker in nahezu identischem Schriftzug. Vater des Philanthropen Gustave Bernhard Stricker ( 1838-1916). Qu.: Encyclopédie de l ´Alsace, Band 12,, S. 7157; Othon Printz, Gustave Théodore Stricker 1807-1875: pasteur, poète, journaliste, un pionnier de l ´action en faveur des personnes handicapées et défavorisées, 2003, mit Vorwort von Daniel Hoeffel; https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b10235047n/f134.item.r=Fonds%20Gustave%20Stricker.zoom ; http://www.memoire-mulhousienne.fr/files/downloads/stricker-gustave.pdf 517 Straßburg, 26.11.1828  W. P. Schimper   theol. stud. alsat.   ("Akademischer Bruder") " Ueber alles rauscht der Flügel der Vernichtung dahin, nur nicht über wahre Freundschaft u. Liebe" d.i. Wilhelm Philipp Schimper ( 1808 Dossenheim - 1880 Straßburg) bedeutender elsässischer Botaniker und Geologe, der sog. "Moosschimper". Der Begriff  Paläozän für die unterste Serie des Tertiärs (vor 65 bis 53 Millionen Jahren) wurde von ihm geprägt. Der einzige weitere bekannte Stammbucheintrag von ihm datiert von 1844 im Stammbuch des schwedischen Naturforschers Daniel Marklin (1777-1857), das in Stockholm liegt. Qu.: wikipedia; ADB 31, S. 277ff; 495 oO,oD  L. Victor Jaeglé d.i. Ludwig Victor Jaeglé ( 1806 Straßburg - 1871 St. Die) Theologe; Spitzname: Benno; ausweislich der Literatur vermutlich identisch mit dem im Brief Büchners an August Stöber vom 09.12.1833 genannten "Viktor"; Vetter der Wilhelmine Jaeglé, der Verlobten Büchners. Qu.: Georg-Büchner-Portal, Eintrag Ludwig Victor Jaeglé; Hauschild, Georg Büchner: Biographie, 2016, S. 684 510/511 Strasburg im Wilhelmitarum, 29.11.1828  Ed. Lange aus Buchsweiler  theol.stud. d.i. Karl Christian Eduard Lange ( 1808-1868) Theologe, zuletzt Konsistoriumspräsident und Inspektor der Neuen Kirche - der evangelischen Hauptkirche  in Straßburg. Mit Georg Büchner befreundet, an den er Grüße ausrichten lässt, s. z.B Brief an August Stöber vom 11.03.1833 und vom 22.04.1833 Qu.: Büchnerportal, Personeneintrag Lange; http://buechnerportal.de/dokumente/textdokumente/lz-1495-bis-lz-1540/ 520 Straßburg, 01.12.1828   A. Schaller d.i. Georg August Schaller (1808 Pfaffenhofen - 1877 Straßburg) Theologe, zuletzt von 1853 bis zum Tod Pfarrer an Dt. Nikolas in Straßburg. Eng befreundet mit den Gebrüdern Stöber. Qu.: Georg-Büchner-Jahrbuch, 1986, S. 374; Büchner-Portal zum Briefverkehr der Eugeniden mit Bezug zu Büchner; zu seinen Veröffentlichungen siehe https://data.bnf.fr/fr/10694359/august_schaller/ 556 Straßburg, 25.11.1828  Caroline Rolle geborene Rumpel, Wittwe  ("achtzigjährige Freundin") d.i. Caroline Rolle geb. Rumpel ( 1748 Traben - 1832 Straßburg) Die lebensälteste Einträgerin in diesem Stammbuch reicht mit ihren verwandschaftlichen Bezügen sogar in die eigentliche Goethezeit. Ihr Onkel war der berühmte Baumeister Christian Ludwig Hautt (1726-1806 Zweibrücken), ihr Cousin war u.a. der reiche Kaufmann in Trarbach, Ludwig Böcking (1758-1829), der am Allerheiligenabend 1792 den dort wegen eines Unwetters gestrandeten Goethe "mit Henne und Reis" und "köstlichstem Moselwein" bewirtete, was Goethe nie vergessen sollte. Der verstorbene Ehemann der Einträgerin, Charles Rollé, war Pfarrer in Völklingen gewesen und ist in der dortigen Kirche in dem Kolmspergerschen Freskogemälde als stehender Prediger verewigt worden. Qu.: Sterbeeintrag im KB Straßburg mit Angaben zu Ehemann und Eltern; NDB 2 (1955), S. 368 Familienartikel Böcking, dort zur Ehe mit "dem schönen Lorchen" Hautt (1736-1785); Gregor Brand/Hermann Simon, Kinder der Eifel-aus anderer Zeit II, 2018, S. 37; Beschreibung des Kolmspergerschen Deckengemäldes durch Karl Rupp, abgedruckt in Arthur Engelbrecht, Politik und Bild: eine Langzeitstudie zu.., 2016, S.16; Foto des Deckengemäldes, abrufbar unter https://de.wikipedia.org/wiki/Vers%C3%B6hnungskirche_(V%C3%B6lklingen)     528 oO, 04.12.1828   E. Wittmann  ("Unser trauliche Bund, der Harmonia sich nannte, ist er wirklich nicht mehr, Opfer der friedlichen Zeit ? Nein, nur die äußere Form sey abgestreifet; das Kränzchen mußte ja, früh oder spät, seiner Natur nach, verbleichen. Immerhin mag der Gesang der flüchtigen Jugend verhallen; unvergänglich und treu bleib´ nur der Herzen .. O! ihn möge die ewige Harmonia erhalten ! So wird der unsere Bund ein der Vergänglichkeit Raub ! d.i. Eduard Wittmann () Student in Straßburg, der im Büchner-Jahrbuch erwähnt wird. Mit hoher Wahrscheinlichkeit identisch mit dem Verfasser der "Scenen aus dem Leben der Straßburger Nationalgarde (in Straßburger Mundart), veröffentlicht bei Schuler, 1831. Qu.: Elsässer Schatzkästel: Sammlung von Gedichten, S. 489; Georg-Büchner-Jahrbuch, 1986, S. 356, 377 543 Straßburg, 30.11.1828   Emilie Strikker d.i. Emilie Stricker (1806-1885) Schwester des o.g. Gustav Theodor Stricker. Ihr Autograph und ihre Lebensdaten sind  digital abrufbar wie bei dem Eintrag ihres Bruders angegeben (rechts oben auf dem Deckblatt des Gedichtbandes). 536 Wangen, 18.12.1828  Charlotte Dunker  ("Schwester") d.i. Charlotte Dunker geb. Mehl (1789-1856) Die Halbschwester des StBhalters  aus der ersten Ehe der Christine Mall mit Johann Michael Mehl (1755-1794) war vor ihrer Heirat mit dem Pfarrer Johann Karl Friedrich Wilhelm Dunker im Jahre 1814 mit Jung-Stilling bekannt geworden und mit dem Steinthaler Pfarrer Johann Friedrich Oberlin (1740 -1826)befreundet, dem Georg Büchner mit seinem Lenz ein Denkmal setzte. Über ihr außerordentlich tatkräftiges Wirken für das Diakonissenhaus cf. Nekrolog in Johannes Hübner, Lebensbeschreibungen frommer Frauen und Jungfrauen aus allen Ständen in älterer und neuerer Zeit, 1873, S. 233ff. ; es verdient Erwähnung, dass der elsässische Schriftsteller Gottfried Jakob Schaller (1762-1831 Pfaffenhofen) 1823 folgende kleine Schrift in Druck gab: Auf das Amtsjubiläum ihres würdigen Vaters, Herrn Friedrich Chr. Kampmann, Pfarrers in Wangen, überreicht den 03.01.1823 von Charlotte Dunker geb. Mehl in ihrem und ihrer Geschwister Namen, Hagenau, auch dort bezeichnet sich die Einträgerin als Tochter, wiewohl nur Stieftochter. Qu.: wikipedia zu Oberlin; Nekrolog, aaO; https://enzyklothek.de/biographische-lexika/nationalbiographien/deutschland/allgemeinbiographien/h%C3%BCbner-1873-%E2%80%93 ; Goedecke, Grundriss Band XIII, Eintrag Schaller, Nr. 32); 535 Wangen, 12.02.1831  Lotte Dunker  ("Nichte") d.i. Charlotte Christiane Frederique Dunker ( 1815-nach 1856) Nichte des StBhalters, zunächst ab 1843 als Lehrerin in der Anstalt der Brüdergemeinde Neuwied, nach ihrer Heirat mit dem Bruder Jakob Seiler im Jahr 1844 nach Dänisch-Westindien. Qu.: https://enzyklothek.de/biographische-lexika/nationalbiographien/deutschland/allgemeinbiographien/h%C3%BCbner-1873-%E2%80%93 , dort S. 234 519 Strasburg, 02.12.1828  Auguste Victor Richard  theol.stud. d.i. August Viktor Richard ( 1807 Mühlhausen - 1867 Dresden) Theologe, zuletzt Pastor der evangelisch-reformierten Gemeinde in Dresden. Trat mit Übersetzungen und historischen Denkschriften hervor. Qu.: Georg-Büchner-Jahrbuch, 1986, S. 377; August Victor Richard, Oecolampade, réformateur de Bale, 1829; derselbe: Licht und Schatten. Ein Beitrag zur Culturgeschichte von Sachsen und Thüringen im XVI. Jahrhundert, Leipzig, bei Teubner, 1861. 518 oO, 29.11.1828  Ch. Roehrich  st. th.  ("Klosterbruder und Harmonia-Bruder") d.i.Jakob Christian Röhrich ( 1807 Bischheim- 1885 Illkirch) Theologe, zuletzt Pfarrer in Illkirch. Er war der jüngere Bruder des "verdienten Geschichtsschreibers der Reformation im Elsass", Timotheus Wilhelm Röhrich (1802-1860). Qu.: Georg-Büchner-Jahrbuch, 1986, Seite 378; Erinnerung an Timotheus Wilhelm Röhrich, Jena, 1861, aus der vierten Denkschrift der theologischen Gesellschaft zu Strassburg besonders abgedruckt. 516 Argentorati, 27.08.1828   Carolus Schmidt d.i.Karl Friedrich Schmidt ( 1807 Nancy - 1886 ebenda) Theologe; ab 1830 Pfarrer in Nancy. Qu.: Georg Büchner-Jahrbuch, 1986, S. 377; s. die Monographie von 1881, abrufbar unter https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k64857737.texteImage 504 Straßburg, 01.12.1828  J. G. Reeb d.i. Johann Georg Reeb ( 1804 Zutzendorf-1888 Hohweiler) Theologe; zuletzt Pfarrer in Hohweiler. Qu.: Georg Büchner Jahrbuch, 1986, Seite 378. 530 Strasbourg, 30.11.1828  E. Aug. Hoellbeck d.i. ist ohne vernünftigen Zweifel der Herausgeber des Almanach du commerce, de l ´industrie, des sciences, des art et des métiers de Strasbourg, Straßburg, 1836 508/509 Hornbach, 10.09.1829  "Dein Theodor" Es handelt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um einen fremden Einträger, sondern um ein Autograph des StBhalters selbst. Der Text und der Entstehungsort ( Hornbach war die Gemeinde, aus der seine spätere Ehefrau stammte und in der 1834 geheiratet worden ist) legen dies nahe..

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