Friedrich Heinrich Leonhard Albert

Albert, Friedrich Heinrich Leonhard

(1819-1864), Abgeordneter in der Paulskirche (1819-1864). 22 e. Briefe mit U. Frankfurt, Gotha u. o. O. 61 Seiten 4° u. 8°.
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Friedrich Heinrich Leonhard Albert (1819-1864), Abgeordneter in der Paulskirche (1819-1864). 22 e. Briefe m. U., Franfurt, Gotha u. o. O., 10. Mai 1848 – 25. Juni 1849, 61 Seiten 4° u. 8°. Unpubliziertes Quellenmaterial zur Geschichte der Deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche aus dem Nachlass von Friedrich Heinrich Leonhard Albert, dessen Name sich ganz oben auf der Verfassungsurkunde findet (zu ihm siehe Best-W. 80). - Fritz Albert - so nannte er sich selbst und wurde so auch von seiner Mutter in ihren Briefen angeredet - war der Sohn des Königlich Hannoverischen Berghauptmanns Wilhelm August Julius Albert (1787-1846), der seit 1836 in Clausthal Leiter des gesamten Harzer Bergbaus war und vor allen Dingen als Erfinder des Drahtseiles überregionale Bedeutung erlangt hatte.

Er war 1840-42 Referendar in Berlin, seit 1842 Assessor in Halberstadt, dann Oberlandesgerichtsassessor in Quedlinburg. Die Briefe, die er an seine Mutter, die nach dem Tode ihres Mannes in Hannover lebte, schrieb, und die er andererseits von ihr, einer politisch höchst interessierten Dame, erhielt, sind authentische Zeugnisse der deutschen Revolution von 1848/49. Das Vorparlament hatte beschlossen, dass in allen Ländern des bisherigen deutschen Bundesgebietes Deputierte (je einer auf 50 000 Seelen) gewählt werden sollten. Für den V. Wahlbezirk, bestehend aus den Kreisen Aschersleben, Oschersleben sowie der Stadt Quelinburg, wurde Albert als Wahlmann aufgestellt, nachdem er sich in zahlreichen Volksversammlungen mit Erfolg profiliert hatte. Mit Datum vom 5. Mai 1848 stellte ihm der Landrat des Ascherslebener Kreises, der Geheime Regierungsrat Weyhe als Wahl-Commissarius, das Schreiben zu, mit dem Albert aufgefordert wurde, sich am 10. Mai des Jahres vormittags um 10 Uhr im blauen Saale des Königlichen Schlosses zu Berlin zur Wahl für die Deutsche Nationalversammlung in Frankfurt am Main einzufinden (kleine Randschäden, Siegelausriß). Das Ergebnis dieser Wahl verkündete er noch in der gleichen Nacht seiner Mutter in Hannover: „Der Ober-Präsident Flottwell in Münster ist zum Abgeordneten und ich bin zum Stellvertreter für Frankfurt gewählt. Es ist das ein Resultat, so günstig, als ich nur irgend erwarten konnte“ (10. Mai 1848). – Albert war zunächst Stellvertreter des Abgeordneten Flottwell, doch trat dieser recht bald zurück und Albert wurde selbst Abgeordneter. Im folgenden seien aus den inhaltlich meist recht bedeutenden Briefen nur wenige Beispiele zitiert: - „Die schlimmste Partei hat es vorzüglich auf die Zerschlagung Preußens abgesehen“ (10. Juni 1848). - Die Mutter antwortet am 26. Juni 1848: „Wie freut mich Dein Zusammenleben mit Gustav [Siemens; ebenfalls Abgeordneter, Best-W. 319] und ich begreife es, daß dieser Frankfurter Passus in Eurem Leben ein bedeutender werden und bleiben wird. Mögte nur Kräftiges gebauet werden da die Zustände durch die neuen Nachrichten aus Berlin und Paris immer verwickelter werden. Bis jetzt ist die Beglückung des Menschengeschlechts nur mäßig […] Es scheint als wenn der Adel selbst an sein Ende glaubt“ – Unter dem ironischen Motto „Weiber gehören nicht ins Parlament“ schreibt Albert am 26. Sept. 1848: „Die Zahnweh-Angelegenheit steht jetzt so, daß seit vorigen Freitag die Seite, wo ich mir zwei Zähne ausrupfen ließ, ruhig geworden, dagegen aber jetzt das Weh auf die andere Seite mit ziemlich gleicher Heftigkeit übergegangen ist. Die Vergnüglichkeit hört nun bald auf, vor allen Dingen muß versucht werden die gute Laune zu bewahren, was bei nächtlichem Nichtschlaf öfters nicht gar zu leicht ist. Ich habe bis jetzt dagegen mit Dampfbädern und Blutigeln agiret, vielleicht werde ich einen Homöopathen brauchen, habe indeß für abermaliges Rupfen ein Ultimatum gestellt. Die hiesigen politischen Zustände sind nicht so trübe, als mir die zu Berlin erscheinen, der Einfall und Aufstand im Oberlande von Baden ist unterdrückt; Struve selbst ist, wie man von allen Seiten hört, erschossen und man soll sich seiner Papiere bemächtigt haben […] Hier ist vollkommen das Bild des Krieges, ein ganzes Regiment Wirtemb. Uhlanen biwaquirt seit acht Tagen auf der Allee mit Göthes Standbild herum, der sich sehr wundern mag, sich plötzlich in solcher Umgebung zu finden. Auf der Zeile und fast allen Plätzen der Stadt sind allabendlich Wachtfeuer, und plötzlicher Soldatensang ertönt die Nacht durch, wobei sich besonders die böhmischen Lieder der Österreicher Böhmens auszeichnen. Es liegen hier jetzt nämlich Preußen, Österreicher, Churhessen, Hessendarmstädter, Baiern und Würtenberger aller Truppengattungen. Daß die Frankfurter Geldsäcke das Parlament zu allen Teufeln wünschen, kannst du denken. Übrigens wollten die Aufrüher, wenn ihr Unternehmen glückt außer der Ermordung von 120 Deputirten Frankfurt 6 Mill. fl. Kriegssteuer auflegen und drei Tage der Plünderung preisgeben. Bei dem letzten Zuge Struves hat mir das gut gefallen, daß dabei doch einmal ein ordentlicher Raub an den verschiedenen Cassen ausgeführt ist, da sieht man was die Leute wollen […]“ – „In welcher Aufregung wir jetzt hier leben ist schwer zu beschreiben. Morgen kommt der Welckersche Antrag auf die Tagesordnung mit ihm steht Alles auf dem Spiele. Bin ich auch im Princip nicht damit einverstanden eine solche Brandfackel hineinzuschleudern, so ist das doch nun einmal geschehen wir müssen durch. Hoffentlich haben wir die Majorität, wenn das nicht, so könnte vielleicht Alles hier vorbei sein, denn der Antrag kann nur durch die Stimmen der Österreicher fallen, die bis jetzt noch nicht so anständig sind einsehen zu wollen, daß sie sich in dieser Angelegenheit, die sie nichts mehr angeht, der Stimme zu enhalten haben. Ich habe mit diesen Hallunken jetzt gebrochen. Wie jeder zu gewinnende jetzt bearbeitet wird, dürfte für jemand der außer der Versammlung steht spaßhaft anzusehen sein, stände nicht eben das Geschick Europas auf dem Spiele. Es würde ein fürchterlicher Sturm gegen Österreich und die Ultramontanen wenn durch Ihre Machination an unserer Majorität [unterstrichen] gerüttelt würde; denn dadurch ist auch die Freiheit für die nächste Zeit untergraben. In allen Staaten sind seit dem März noch die alten Beamten geblieben, das geht über kurz oder lang wieder den alten Gang ... Bete für die deutsche Sache. Größere Verantwortlichkeit hat nicht leicht auf Leuten gelegen wie jetzt auf uns. Wir müssen siegen oder fallen.“ (16. März 1849). „Ein übler Frühlingsanfang. Der Welckersche Antrag ist mit 283 gegen 252 durch vereinigte Österreicher 4/5 Baiern, Ultramontane und Linke gefallen. Die Sitzung ist suspendiert, da dies Ereignis allen unerwartet kam. Anders muß das werden. Rießer als Berichterstatter hielt eine so ausgezeichnete Rede, daß fast alle Leute weinten wie die Schloßkater […]“ (21. März 1849). – Am 27. 3. 1849 wurde über die Erblichkeit der Kaiserwürde abgestimmt. Es siegte die Kleindeutsche Einheitspartei. „Heute abend in der großen Schlacht haben wir gesiegt. Die Einheitliche Fürstenspitze ging mit 279 gegen 255 und die Erblichkeit mit 267 gegen 263 Stimmen durch. Da die Österreicher abgehen ist die Majorität nun groß genug. Von der schändlichen Immoralität die gegen uns in der Coalition operirte hast Du keinen Begriff […]“ (27. März 1849). Am 28 März wählten von 538 anwesenden Abgeordneten 290 den König von Preußen zum erblichen Kaiser von Deutschland. Die Reichsverfassung, der im voraus 28 Regierungen sich unterwerfen zu wollen erklärt hatten, wurde am 29. März publiziert. – Mehrere Beilagen, darunter der Revers für die Überreichung der Legitimationsurkunde (8. März 1849), das gedruckte und hs. ausgefüllte Schreiben des Fünfziger-Ausschusses (11. April 1848), ein vierseitiges Schreiben seines Vetters, des Kloster-Kammerdirektors Haccius in Hannover (Corpsbruder Bismarcks) und ein Schreiben seines Onkels, des Oberamtmanns Müller vom 29. Sept. 1849 mit Gratulation zum Eintritt in die Reichsversammlung: „Erlaube daß ich zuvörderst quam solemnissime dazu gratulire, weil ich die Überzeugung habe, daß die deutsche Verfassung, unter welcher ich auch Deinen Namen (obenan) erblicke, kein so ephemeres Werk sein kann, wie es manche glauben und einordnen möchten. Es kommt nun zunächst darauf an, daß ihr festhaltet und nicht eher vom Platze weicht, bis ihr der Sache einen festen Haltpunct gegeben und die Centralgewalt mit einer gehörigen Hausmacht umgeben habt. Diese Überzeugung kann auch nur der Grund gewesen sein, daß Eure Wahl auf Fr. Wilhelm gerichtet war, der sonst vielleicht nicht dazu gelangt sein würde! Und da dieser noch immer schwankt und sich den Banden seiner Camarilla schwerlich wird entziehen können […]“ – Einige der Schreiben mit kleineren Beschädigungen, insgesamt recht gut erhalten..

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