Rainer Maria Rilke

Dichter, 1875-1926

"Rainer Maria Rilke war ein Lyriker deutscher Sprache. Mit seiner in den ""Neuen Gedichten"" vollendeten, von der bildenden Kunst beeinflussten Dinglyrik gilt er als einer der bedeutendsten Dichter der literarischen Moderne. Daneben verfasste er Erzählungen, einen Roman und Aufsätze zu Kunst und Kultur sowie zahlreiche Übersetzungen von Literatur und Lyrik unter anderem aus dem Französischen. Sein umfangreicher Briefwechsel bildet einen wichtigen Bestandteil seines literarischen Schaffens."

Quelle: Wikipedia

Rilke, Rainer Maria

Dichter (1875-1926). Eigenhändig ausgefüllter Auktions-Auftragszettel mit Namenszug "Rainer Maria Rilke" sowie mit eigh. beschriftetem Umschlag. München. 1/2 S. Gr. 8vo.
3.500 € (48440)

Auftrag für eine Versteigerung der Münchener „Bücherstube am Siegestor, Horst Stobbe“, Ludwigstr. 17 a, am 13. Oktober 1917. Rilke bietet ohne Limit auf Katalog-Nr. 416, Maurice de Guérins „Der Kentauer“. - Das Buch war 1911 in Rilkes Übersetzung und mit seinem Nachwort als Druck der Ernst-Ludwig-Presse in 300 nummerierten Exemplaren im Insel Verlag erschienen, davon 50 auf Japanpapier und in Leder gebunden (vgl. Sarkowski 638). - Ungewöhnliches Rilke-Autograph.

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Rilke, Rainer Maria

Dichter und Übersetzer (1875-1926). Eigenh. Brief m. U. „R M Rilke“. Muzot. 4to. 2 SS.
6.500 € (59798)

Schöner, gehaltvoller Brief an Berta Flamm in Halle (Saale), die sich für Bücher bedankt hatte, die der Dichter für ihren schwer kranken Sohn übersandt hatte. "... Das Privileg, Freude zu bereiten, wird seltener ertheilt, als man denkt, theils infolge unserer, oft so starren Unfähigkeit, zu empfangen, theils weil die Ungenauigkeit und das Ungefähr zwischen den Menschen, das schon immer ein Hindernis gewesen sein mag, in verwirrenden Zeiten, noch weiter zugenommen hat. Schließlich erfordert auch die angemessendste Gabe beim Empfangenden noch eine äußerste Anpassung, aber wo das Geben 'stimmt', gehört diese Leistung in die natürliche Bewegung des Beschenkten mit hinein.

- Dass Einiges aus meinen Büchern imstand gewesen ist, einem so schwer Heimgesuchten wohlzuthun, das spricht noch viel mehr für ihn, für Ihren Sohn, als für diese Bücher: wie leicht hätte er sich ihnen verweigern und verschließen können. Aber er hat ... den Sieg in sich befestigt, den schwersten und heimlichsten Sieg, der darin besteht, von einer unendlich schmerzlich bestrittenen und eingeschränkten Stelle des Lebens aus, nach und nach, doch wieder das ganze irgendwie unschuldige Leben zu bejahen! ... Da der große reine Anschluß seines Herzens und seines Geistes gerettet erscheint, wird nun das Maaß aller seiner Beziehungen ein so besonderes und persönliches sein, daß er, in gewissen Augenblicken unbeschreiblichen Eingezogenseins, fast etwas vor denen voraus haben wird, die aus allgemeineren und leichteren Bedingungen heraus ihre Antheilnehmung leisten ...". - Die zweite Seite mit kleinen Papierresten von ehemaliger Montage..

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Rilke, Rainer Maria

Dichter (1875-1926). Eigenhändiges Gedicht. o. O. u. J. 4to. 1 p. Liniertes Bütten.
9.000 € (77863)

„Auferstehung. | Der Graf vernimmt die Töne | er sieht einen lichten Riss; | er weckt seine dreizehn Söhne | im Erb-Begräbnis. | Er grüßt seine beiden Frauen | ehrerbietig von weit -; | und alle, voll Vertrauen, | sehn auf zur Ewigkeit, | und warten nur auf Erich | und Ulriken=Dorotheen, | die, sieben=und dreizehnjährig, | (sechzehnhundertzehn} | verstorben sind im Flandern, | um heute vor den Andern | unbeirrt herzugehn.“ - Geschrieben 1906 in Paris. Aus den 1907 erschienenen „Neuen Gedichten“.

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Rilke, Rainer Maria

Dichter (1875-1926). Eigenh. Brief mit Unterschrift. Schmargendorf bei Berlin. 2 Seiten. Quer-8vo 8,6 : 11,4 cm). Karton. Lochung vorderseitig überklebt.
5.800 € (78434)

An einen Redaktor der Wiener sezessionistischen Zeitschrift „Ver sacrum“ (1898-1903). „[…] ich freue mich sehr, dass ,Ver sacrum’ wieder breiter und geräumiger wird, und werde nicht versäumen, mich noch in diesem Monat mit einigen litt. Beiträgen einzustellen. Falls dies noch nicht von anderer Seite geschieht, werde ich auch ein Buch mit ein paar Worten charakterisieren, welches für die Sezession von besonderem Interesse ist; Ich meine Jozef Israels ,Spanien’, Tagebuchblätter des großen Meisters von einer Einfachheit und Menschlichkeit, wie nur ganz Große sie haben und unwillkürlich geben […]“ - In einem Nachsatz fragt Rilke: „Käme eventuell auch eine durch mehrere Nummern gehende Novelle in Betracht?“ - Rilke hatte schon vor diesem Brief eine Rezension in "Ver sacrum" veröffentlicht.

1901 sind tatsächlich mehrere Beiträge von ihm erschienen, allerdings nicht die angekündigte Besprechung. Vermutlich unveröffentlicht..

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Rilke, Rainer Maria

österreichischer Lyriker deutscher und französischer Sprache (1875-1926). Eigenh. Brief mit Unterschrift. Westerwede bei Bremen. Folio. 1 1/2 pp.
7.500 € (78468)

An Richard Batka: „[…] Ich mußte Sie eine Weile warten lassen; aber heute sende ich Ihnen, dem Wunsche der Redaktion entsprechend, einige Gedichte, hoffentlich noch nicht zu spät für das erste Haft. Was Ihnen nicht paßt erbitte ich gelegentlich zurück. Besonders lieb wäre es, wenn Sie sorgen wollten, daß die neulich angenommene Novelle nicht zu spät zum Abdruck kommt. An einer kleinen Verzögerung liegt mir nichts. Es folgen mit diesem Briefe drei Beiträge zur Wahl u[nd] zw[ar]: 1.

Gedicht. 2. Abend. 3. Wege im Moor (unter welchem Namen 3 Gedichte zusammengefaßt sind). Noch eines: ich würde, wie schon einmal gesagt, sehr gerne für die „Deutsche Arbeit“ Bücher besprechen und bitte das Redaktionskomité, mir von Fall zu Fall Rezensionsexemplare (besonders lyrischer und novellistischer Werke), die der Zeitschrift zukommen, einzusenden […] Da ich nicht weiß, ob Sie noch auf Rügen sind, richte ich diesen Brief nach Prag. Ich hoffe, daß Sie eine schöne Erholungszeit gehabt haben, begünstigt von dem warmen Wetter, daß sich nahe am Meer, sogar mit einer gewissen Dankbarkeit, ertragen läßt […]“.

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Rilke, Rainer Maria

Dichter (1875-1926). Eigenh. Brief mit U. ("R."). [München. 1 S. 8vo.
2.500 € (49237/BN33531)

An die deutsch-französische Malerin Lou Albert-Lasard (1885-1969): "[...] hier ist der Picasso. Jaffe schickt das Vortrags-Billet [...] In der Keferstrasse ist es herrlich, der Dienstag hinter mir sagt eben extatisch: 'Das reinste Paradies' und die Arnold strahlt. Dunque - R". - In Bleistift; die rechte untere Ecke sowie verso kleine Montagespuren.

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Rilke, Rainer Maria

Dichter (1875-1926). Eigenh. Kurznachricht auf Visitkarte mit U. Zoppot bei Danzig (Ostsee). 2 SS. Visitkartenformat.
2.800 € (938078/BN938078)

An den Musikwissenschaftler Richard Batka (1868-1922): "Sehr werter Herr Batka, nach guter Gewissenserforschung nenne ich Ihnen alle bewussten Sünden. Gewähren Sie Ablass? - Im Frühling war ich in Florenz lange, oft und gerne mit Baron Reinhold von Lichtenberg beisammen, dessen gute Grüße Ihnen vielleicht Freude machen. Empfehlen Sie mich sehr Herrn Professor Dr. Sauer und bleiben Sie geneigt Ihrem ergebenen: Rainer Maria Rilke". Der österreichische Kunsthistoriker Reinhold Frh. von Lichtenberg (1865-1927), den Rilke 1898 während seiner ersten längeren Italienreise kennengelernt hatte, sollte später als völkisch-antisemischer Publizist hervortreten.

- Schönes, frühes Stück mit dem vollen Namenszug, kurz nach der Annahme des Vornamens "Rainer" statt "René"..

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Rilke, Rainer Maria

Dichter (1875-1926). Eigenh. Brief mit U. ("Rainer Maria Rilke"). Westerwede bei Worpswede (über Bremen). 8 SS. auf 2 Doppelblättern. Kl.-4to. Auf Briefpapier mit illustr. Briefkopf.
15.000 € (61057/BN45084)

Langer, früher Brief an den dänischen Schriftsteller und Redakteur Poul Levin (1868-1929) in Paris: "Verehrter Herr Doctor Levin, erinnern Sie sich wirklich noch meiner? Ich sende Ihnen mitfolgend einige Kleinigkeiten, welche dazu beitragen sollen, diese Erinnerung aufzufrischen. Und viele Grüße. - Dieser Brief bringt eine Neuigkeit: Wir haben vor, im Herbst nach Paris zu übersiedeln. Wir: Daß ich geheiratet habe, habe ich Ihnen wohl angezeigt. [Fußn.: Natürlich, Sie haben uns ja auch gratuliert!] Meine Frau ist die junge Bildhauerin Clara Westhoff.

Bleibt noch zu erwähnen, dass wir seit Dezember eine kleine Tochter haben Ruth, Ruth Rilke, eine liebe, gar nichtmehr ganz unverständige Freundin unserer Tage. - Dieses alles, einschließlich meiner Person kommt, nach Paris. - Meine Frau, die einige Zeit bei Rodin gearbeitet hat, will wieder in seiner Nähe arbeiten. Worpswede, das dem Maler unerschöpflich viel bietet, konnte ihr, dem Bildhauer, nur eine gewisse Zeit lang Anregung und Arbeit bieten - und diese Zeit ist, glaube ich, abgelaufen. - Wir haben nun ein Jahr in aller Stille gelebt. Und wir gedenken in Paris nicht weniger still zu leben. Nur mehr lernen wollen wir, mehr sehen und uns vielem aufthun; denn das Viele ist uns, da wir beide über einen gewissen Punkt in unserer Entwicklung hinaussind, keine Gefahr mehr. - Meine Frau hat in diesem Jahr manches ausgestellt und verkauft, und neben den ihren sind meine äußeren Erfolge nicht nennenswert. Das kleine Buch 'Die Letzten' ist den Meisten zu still, das Drama 'Das tägliche Leben ' ist in Berlin bei der Premiere totgelacht worden; es soll noch in Hamburg bei Baron Berger gegeben werden, aber ich erwarte mir nichts davon. - Das macht mir natürlich diese beiden Bücher, nicht weniger lieb. Ich habe ein treues Vertrauen zu Ihnen und ganz allein stehe ich nicht da mit diesem Gefühl. - Aber zur Sache: Meine Frau hat ganz bestimmte Absichten in Paris. Die Nähe des Meisters, der ihr Vertrauen besitzt, ist nun doppelt köstlich für sie, da ihre Kunst in der Einsamkeit ganz eigenständig und sicher sich entfaltet hat, so dass sie neben dem Willen des Großen, seinen Anregungen dankbar, ihren eigenen Willen mühelos wird behaupten können. - Und ich: ich habe in der Einsamkeit dieses Jahres, Durst bekommen, viel zu lernen. Ich gedenke die russische Universität [Fußn.: eine solche ist doch kürzlich gegründet worden?] in Paris zu besuchen; denn seit meinen großen Reisen in Russland verlässt mich der Gedanke nichtmehr, in diese wahlverwandte Sprache so tief einzudringen, dass ich sie einmal noch neben meiner ursprünglichen ebenbürtig gebrauchen kann. - Also lernen. Und ich glaube man lernt in Paris auf Schritt und Tritt. Natürlich auch verdienen. Erinnern Sie sich: einmal schrieb ich Ihnen von den traurigen Umständen, in denen ich lebe. Nun diese haben an Traurigkeit noch zugenommen. - Aber es muss mir gelingen, von Paris aus für ein oder zwei Kunstzeitschriften regelmäßige Korrespondenzen zu finden, - dazu Übersetzungen aus dem Russischen.... - Kurz: es muss gehen! Was hab ich in diesem Jahr nicht alles zu erlangen gesucht! Das Haupthindernis schien, dass ich so auf dem Lande, im Moor saß: von dort aus wollte Keiner was hören, obwohl eine ganze Menge da geschieht... Dieses Hindernis soll nun beseitigt werden. Und dann muss sich etwas finden. - Natürlich denke ich an Ihren Rath, womöglich sogar an Ihre Hülfe. Aber erschrecken Sie nicht: ich weiß wie kostbar Ihre Zeit ist und verlange nur gelegentlich einen Wink, einen Rath im Telegrammstyl, eine Anempfehlung, die ich mir selber zubereite, wenn Sie mir sie in rohem Zustand überlassen. - Zum Beispiel: Thema: Wohnen. Meine Frau schlägt vor: St. Cloud oder Meudon oder Joinville... Mit wem kann man sich wohl in Verbindung setzen, um von solchen Möglichkeiten zuverlässiges zu hören? - Meine Bitte meint nur, daß Sie, sehr werter Herr Dr. Levin, wenn Sie zufällig etwas hören, was dieses Thema oder ein anderes (etwa das meines täglichen Brotes) anlangt, es für mich notieren, um es mir bei Gelegenheit mitzutheilen. - Es ist ja noch eine Weile Zeit; denn wir kommen voraussichtlich erst Ende September, und Sie hören inzwischen gewiß manches, was wir uns zunutze machen können. - Sie waren gewiß in den letzten Jahren noch öfters in Italien. Für mich war es ferne seit Russland; ein Land wie im Traum. Und Russland ist voll tiefer unerwarteter Wirklichkeiten! Was für Menschen. Das war mein Ereignis! - Ich würde Ihnen gerne davon erzählen. Ich würde Sie überhaupt so gerne wiedersehen, aufrichtig: obwohl es den Anschein hat, dass ich Ihnen immer nur schreibe, wenn ich wieder was brauche. Aber können überhaupt nicht nur müssige Menschen auch zu anderen Zeiten aneinander denken? Kann man es nicht auch in freundlichem Sinne auslegen, dass ich, wenn ich was brauche, an Sie denke? Bitte, thun Sie das. - Noch Eines: ich habe in Bremen kürzlich Maeterlincks 'Schwester Beatrix ' inszeniert. Mit Dilettanten; es war eine schwere Sache, die schließlich gut gelang. Die Aufführung fand zur Eröffnung der umgebauten bremer Kunsthalle (und einer sehr schönen internationalen Kunstausstellung) statt und hernach wurde das Festspiel gesprochen, das ich Ihnen auch beilege, weil es mir lieb ist und mancher Vers darin, [der] über den vergangenen Zweck hinaus gilt! Ihr aufrichtig ergebener: Rainer Maria Rilke". - Erstes Doppelblatt etwas angestaubt..

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Rilke, Rainer Maria

Dichter (1875-1926). Eigenh. Eintragung im Gästebuch der Villa Discopoli auf Capri. Capri. 66 tls. beidseitig beschriebene und 19 w. Bll. Ldr. d. Zt. mit Eckbeschlägen und Schließe (lädiert). 8vo.
18.000 € (31309/BN9837)

Vorliegendes Gästebuch mit über 230 mehr oder weniger ausführlichen Eintragungen stellt ein schönes Dokument von Rilkes Aufenthalt in der Villa Discopoli auf Capri dar, wohin er als Gast von Frau Alice Faehndrich, geb. Freiin von Nordeck zur Rabenau - der Schwester von Luise Gräfin Schwerin -, eingeladen worden war. Der Dichter lebte 1906/07 "vom 4. Dezember bis zum 15. May [...] das Leben des Rosenhäusl‘s aufmerksam und dankbar", wie er am Tag vor seiner Abreise festhält. Auch seine Gattin Clara war zweimal zu Gast in der mondänen Villa: Am 14.

Jänner dankt sie - die sich auf dem Wege nach Ägypten befand - "für zwei schöne Tage in der Discopoli als ein unerwartetes Geschenk auf der Durchreise empfangen - zwischen Berlin und Egypten", und nach ihrer Rückkehr verbringt sie gemeinsam die letzten Wochen mit ihrem Gatten: "am 20. April aus Egypten zurückgekehrt wurde ich aufgenommen und verwöhnt bis zum 15. Mai in der lieben Discopoli". Rilkes knappe, aber dankbare Eintragung verrät nicht, daß hier die "Improvisationen aus dem Capreser Winter" entstanden, die bereits über die "Neuen Gedichte" hinausweisen. Während des Aufenthaltes dürfte Rilke - folgt man den zeitgleichen Eintragungen des Gästebuchs - u. a. mit Wolfgang von Tirpitz, dem Sohn Alfreds von Tirpitz, Ferdinand von Martitz oder Franz von Niebelschütz zusammengetroffen sein. Die folgenreichste Begegnung hingegen war die mit der jungen Gräfin Manon zu Solms-Laubach, eine Nichte des Erbgrafen Friedrich (1833-1900). Nach ihrem Aufenthalt entspann sich ein Briefwechsel, der seitens Rilkes bis 1913 19 Briefe und eine kalligraphisch ausgeführte Abschrift seines "Panther" umfaßte. - Mit der Schwester seiner Gastgeberin Alice - die im Gästebuch als Alla aufscheint -, mit Luise Gfin. von Schwerin, geb. Nordeck zu Rabenau, waren Rilke und seine Gattin bereits seit 1905 bekannt, da sie während eines Kuraufenthalts in Dresden einander im Weißen Hirschen zum ersten Mal begegneten. Zu Beginn seines langen Aufenthaltes war Rilke noch ganz für sich, doch fand die Abgeschiedenheit mit der Ankunft von Alice, Julie von Nordeck - die als Nonna aufscheint - und Manon zu Solms-Laubach ihr Ende. "Das Erkunden Anacapris, der Aufstieg auf den Monte Solaro, oder der Besuch der Grotte von Migliera und der kleinen Kirche Sarita Maria a Cetrella erschlossen eine Landschaft wie die Griechenlands [...] An den Abenden waren die Damen ein aufmerksames Publikum, wenn sie bei ihren Handarbeiten saßen oder für ihn einen Apfel schälten, bereit, seine Tagesarbeit zu hören [...]" (Donald A. Prater, Ein klingendes Glas. Das Leben R. M. Rilkes, Hamburg 1989). - Neben den Eintragungen des Ehepaars Rilke findet sich in dem Gästebuch u. a. eine etwas barbarisch über den Text montierte eigenh. Portraitzeichnung in Bleistift von Pauline von Kalckreuth sowie das doppelseitige Gedicht "Le tombeau du poete" ("d'apres Henry Heine") von Camille du Locle, der wenig später auf Capri versterben sollte. Weitere Eintragungen stammen von Vera Amerongen, Julia und Eugéne Bonnard, Réne und Gilbert Clavel, Emmy und Ernst Gumppenberg, Alice Frfr. und Walther Frh. von Falkenhausen, Hanns und Margarethe Floerke, Leonie und Marie Fontaine, Eberhard Hardeck zur Rabenau (Gf. v. Schwerin), Heinrich und Elise Lützow, Richard Mackensen, Ferdinand von Martitz, Julie Baronin Nordeck zu Rabenau (geb. von Wallenberg), Friedrich Frh. von Oppeln-Bronikowski (schöne, eineinhalbseitige Widmung mit einem 14zeiligen Gedicht), Emmy von Radetzky, Heinrich XXX. Prinz zu Reuss, A. von Röder, Auguste Schepp, Leopold von Schlözer (mit einer halbseitigen, sauber ausgeführten und mit Farbstift kolorierten Bleistiftzeichnung), Luise Schwerin (Gattin von Karl Gf. v. Schwerin), Friedrich Gf. von Schwerin, Manon Gfin. zu Solms-Laubach, Mathilde Baronin und Arthur Baron von Stackelberg, Wolfgang von Tirpitz, Jakob Baron und Gabrielle von Uexküll (zweimal), Hermann Vierordt, Anna von Wallenberg, Wanda von Wallenberg, Elisabeth Wegeli, Adele Baronin Wolff, Gf. und Gfin. von Zieten Schwerin und Ernst Zitelmann (mit einem schönen Zitat aus seinen im selben Jahr erschienenen "Radierungen und Momentaufnahmen"). - Rücken fehlt, die Deckel etwas angeplatzt und berieben, Bindung gelockert; innen hingegen von guter Erhaltung; einzelne Eintragungen mit hs. Notizen zum jeweiligen Verfasser in Bleistift..

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verkauft

 
Rilke, Rainer Maria

Eigenh. Brief mit U.
Autograph ist nicht mehr verfügbar

An Gertraud Wolf: "Frau [Magda] von Hattingberg, die ich gestern Abend noch einen Moment sprechen konnte, setzt große Zuversicht in die Begegnung mit Ihnen und wird sich [...] im Kriegs-Ministerium einfinden; sie würde es, gegebenen Falls, auch einrichten können, sich gleich für einen Posten freizumachen [...]". - Aus der Sammlung des Theologen Hermann Dembowski (1928-2012).


Rilke, Rainer Maria

Eigenh. Gedicht mit U.
Autograph ist nicht mehr verfügbar

Vier Strophen mit zusammen 18 Zeilen (ohne Überhang): "Für Max Picard | Da stehen wir mit Spiegeln: | einer dort..., und fangen auf, | und einer da, am Ende nicht verständigt; | auffangend aber und das Bild weither | uns zuerkennend, dieses reine Bild | dem andern reichend aus dem Glanz des Spiegels [...]". - Das Gedicht "entstand im November 1925 in Muzot; Rilke schrieb es für den Arzt und Schriftsteller Max Picard, den er aus München kannte, in ein Exemplar der Elegien. 1934 wurde der Text erstmals veröffentlicht" (Rilke-Forum in Zusammenarbeit mit der Rilke-Gesellschaft). Unter der Unterschrift Rilkes ein eigenh. Vermerk von Max Picard: "geschenkt dem liebsten Freunde - Wilhelm Hausenstein [...] 2. Februar 1930". - Der Titel von Rilke zusätzlich datiert "1912-1922". - Beiliegend Picard, Max, Schriftsteller, Arzt, Kulturphilosoph (1888-1965). Eh. Brief mit U. Brisago, 22. II. 1934. ½ S. Gr.-4to. An Wilhelm Hausenstein, u. a. über Rilkes Gedicht: "[...] Mit dem Rilke-Gedicht hast Du recht. Es ist nicht schön. Es ist nicht einmal die Atmosphäre, wo ein schönes Gedicht hineingestellt werden könnte, höchstenfalls so etwas wie ein Gerüst für ein schönes Gedicht ist es. Ich habe viele Gedichte Rilkes noch einmal gelesen, ich bin erschrocken, es sind viele Löcher darin [...] Ich bin halt von dem Charme, der von seinem Wesen ausging, noch bezaubert und wenn ich deshalb manches besser angesehen habe als es ist [...] so tut mir das nicht leid. Es kommt heute so wenig vor, dass man Gelegenheit bekommt, sich durch Charme zu einem falschen Urteil verführen zu lassen. Aber wahrscheinlich sollte man es doch nicht [...]". - Rückseitig ein Montagerest.