Hermann Max Pechstein

Pechstein, Hermann Max

Maler und Graphiker (1881-1955). Eigenh. Brief m. U. und eigenh. Federzeichnung. Rowe. 24.7.1927. 4to. 2 pp.
12.500 € (49636)

An Walter Minnich. ".. Ich habe mir schon Gewissensbisse gemacht, daß ich für das Bild 'weiße Rosen' den Berl. Preis genannte habe, sollte dies der Grund sein, so überlasse ich Ihnen vollkommen die Preisregelung, denn wichtiger als das Geld ist mir unser ungestörtes Verhältnis, nicht wahr? ich überlasse Ihnen vertrauensvoll freie Hand in dieser Angelegenheit .." - Weiter über seinen Sohn Max, der ihm viel Freude bereite, und mit dem er täglich in der Ostsee bade. Dann ausführlicher über seine Arbeitsweise und das leidige Wetter.

"..ich arbeite, und quäle mich, das Wetter ist so unbeständig und schlecht, wie ich es noch nicht erlebt, dabei bedarf ich gerade zur Verarbeitung dieser neuen Eindrücke eine sich gleichbleibende Stimmung, so muß mich eben auf den Herbst oder nächsten Jahr vertrösten, denn soviel wie ich gezeichnet habe, so sehe ich jetzt, daß ich es viel einfacher gestalten muß, so geht es mir immer, nachdem ich Alles in mir aufgenommen, beginnt erst die eigentliche Arbeit. Leider habe ich nun auch Schwierigkeiten Modelle zu bekommen, weil die Leute nicht fertig werden mit der Ernte .. Nur nach den Bewegungsskizzen genügt es mir nicht. Die Leute haben solch wundervolle Details in Hosen, Stiefeln, Händen, kurz Allem, daß ich auch dies Alles erst haben muß, ob ich es dann weglasse, ist eine andere Frage, aber in mir haben muß ich [es] erst, sonst fühle ich mich nicht wohl. Es regnet in allen Gangarten, schwere Gewitter, Dauerregen, Aprilregenschauer, unberechenbares Wetter, daß ich trotz Allem noch nicht die Laune verloren habe, beweist, wie sehr mich diese Landschaft und die Menschen hier beschäftigen .." - Die Skizze zeigt den Freilichtmaler Pechstein in dichter Regen-Schraffur und auf überschwemmten Grund, daneben die Worte: "Also will auch ich schließen, wie hier meinen Kasten, sonst schwimme ich fort ins Uferlose ..".

jetzt kaufen

Pechstein, Hermann Max

Maler und Graphiker (1881-1955). Sammlung von 10 eigenh. Briefen m. U. Berlin (8) und Rowe (2). 4to. 24 SS.
35.000 € (49638)

An Walter Minnich. Inhaltsreiche und persönliche Briefe, die anschaulich die Abwärtspirale von Pechsteins Lebensumständen in den dreißiger Jahren wiedergeben. Zur Sprache kommen Krankheiten in der Familie und bei ihm selbst (schwere Lungenentzündung 1936), die wenigen Ausstellungen in jener Zeit, Ausstellungsverbot, der Ausschluß aus der Akademie, die Sorge um den Lebensunterhalt, das Angebot einer Lehrstelle in Istanbul, der finanziell schmerzliche Betrug durch einen Kunsthändler, der drohende Krieg u.

a. Zugleich berichtet Pechstein immer wieder von seinen Aufenthalten in Rowe, dem frugalen Leben in seiner Hütte am Koser See, dem „schützenden Asyl“, das ihn „vor dem Zerbrechen bewahrt“, auch im ganz physischen Sinne, wenn er durch Fischen und Holzhacken sein täglich Brot bestreitet. „.. Sie wissen, daß mir Ihr Urteil sehr wertvoll ist, und daß ich auch eine stramme Kritik von Ihnen vertrage, und sogar gern habe, während mir die Zeitungen gestohlen werden können, denn diese Herren erledigen in 5 Minuten die Jahresarbeit eines Menschen mit ihrem totsicheren Urteil, welches durch keine eingehende Kenntnis getrübt ist. Im Frühjahr hoff ich, so Alles gut geht, also, Ihrem Rate zu folgen, und will nach Südfrankfreich fahren, jetzt kann ich ich leider nicht fort, denn ich hoffe immer noch etwas zu verkaufen, wenigstens mehr, als das Teure Leben verschlingt ..“ (Berlin, 2. Dez. 1926) „.. hier in Berlin habe ich erst Kenntniss bekommen von allen Geschehnissen diesen Sommers, welche auch meine Person stark in Mitleidenschaft gezogen haben, zuletzt habe ich auch den Bescheid erhalten, dass ich auf Anordnung des Kulturministers aus der Akademie ausgeschlossen bin. Jetzt drängen sich nun notgedrungen Erwägungen auf, wie ich mein ferneres Leben gestalten könnte, um weiter für meine, und die Existenz meiner Familie sorgen zu können. Von meiner Hände Arbeit als Maler ist dies nicht mehr möglich. Was ich ausserdem noch kann ist Fischen, aber werde ich dies dürfen, denn die Berufsfischer sind schon wie der Teufel hinter jedes nutzbare Fischwasser her, und dann, was mach ich mit dem Jungen? Derselbe macht mir viel Freude, er ist jetzt mit seinen elf Jahren bereits so gross wie ich, und ist ein lebendiger, temperamentvoller Bengel .. Marta sagt: nach Italien! Ja, ein grosses Fragezeichen, werde ich da eine Möglichkeit haben, wenigstens für die Dreie das Leben zu schaffen? ..“ (Berlin, 5. Nov. 1937) „.. So entging ich all dem schrecklichen Aufregungen, und konnte mich, zurückgezogen auf mich selbst, ganz meiner Arbeit widmen. Jetzt, wenn ich mir dieselben im Atelier ansehe, freue ich mich derselben, denn ich hatte mir endlich den Wald in grösserem Format vorgenommen, nachdem ich dies Problem, die Jahre vorher, bereits in grossen und kleineren Zeichnungen, Farbskizzen, Aquarellen, bearbeitet hatte. Dergestalt habe ich auch hier in dieser Steinwüste, ein schützendes Asyl, welches mich vor dem Zerbrechen bewahrt, denn die Geschehnisse der letzten Zeit haben mich sehr durchgeschüttelt, und erneut die Sehnsucht nach den seligen Gefilden der Südsee geweckt, in welchem kein Machthunger die Menschen vergewaltigt ..“ (Berlin, 2. Jan. 1939) „.. So wenig, wie ich anfangs an einen Krieg glauben wollte, so musste ich mich doch daran gewöhnen, ich glaube nicht, dass ich noch persönlich in Frage komme, denn erstens bin ich nun 58 Jahre alt, und dann bin ich auch nicht mehr der Kerl, wie im Weltkrieg, die schwere Krankheit 1936 hat doch am Herz etwas zurückgelassen. Nun wünsche ich bloss noch recht sehr, dass die Nerven durchhalten, und hoffe, dass ich dann im kommenden Frühjahr und Sommer erneut nach Pommern fahren kann. Dort in der Einsamkeit, finde ich auch meine alte Arbeitsfreude wieder. Gegenwärtig mache ich in den langen Arbeitsstunden Abends bei Licht Schmuck, ja! ich arbeite wie ein Goldschmied, in Nidden fand ich wunderhübsche Steine, welche ich schleifen und polieren liess, und verarbeite dieselben nun selbst in Silber zu Ringen, Armbändern, Manschetten, Knöpfen, Anhänger u. s. w..“ (Berlin, 3. Febr. 1940) Der interessante Brief aus Hendaye ist leider nur unvollständig erhalten (fehlt die erste Hälfte, vermutlich ein oder zwei Seiten). Pechstein berichtet über einen Zwischenaufenthalt in Paris auf seiner Reise nach Südfrankfreich, wo er den Sommer mit seiner Frau verbrachte (vgl. die Kat.nr. 392). Er besucht dort u. a. den Louvre und die Gärten von Versailles. "..Geärgert habe ich mich eigentlich nur über die Neuordnung, und Unterbringung der Impressionisten im Louvre. Der Renoir, über die Olympia von Manet gehängt im Salle Caillebout (fürchterlich) wie kann man nur so lieblos sein, es hat mir direkt weh getan, dieses Durcheinander zu sehen .. Gestern habe ich in den Salons Alles, und auch sehr viel Maler persönlich, so unter anderen, auch Kokoschka getroffen, aber ich habe mich zurückgezogen, da ich nicht zu Gesprächen aufgelegt war, die Stadt selbst hatte mich zu sehr in Anspruch genommen. Nun fuhren wir bei einer fürchterlichen Hitze ab von Paris .. Wir fuhren 3e Klasse, sehr gut, Martha konnte sich ausstrecken und sehr schön schlafen. Alles in Allem, wenn ich weiter solch Glück habe, auch in der Arbeit, so werde ich diesen Entschluss, hierher zu fahren, nicht bereuen, so schwer es mir auch anfangs fiel, als ich die Kosten der Reise bedenken musste .." (Hendaye, Juni 1931).

jetzt kaufen