österreichischer Politiker (1871-1953). Ms. Brief mit eigenh. Unterschrift. Wien. Gr.-8vo. 1 p. Gedr. Adresse.
150 €
(94761)
An einen Freund: „Mit dem Inkrafttreten der neuen Verfassung und der Auflösung der christlich-sozialen Vereinigung im österr. Nationalrat ist auch mein Mandat als Vertreter des Wahlkreises Wien-Südwest erloschen. Am Ende meiner Tätigkeit als Abgeordneter empfinde ich es als angenehme Pflicht, Dir, der Bezierksparteileitung und allen christlichsozialen Vertrauensmännern und Vertrauensfrauen herzlichst zu danken für die Treue und die freundschaftliche Gesinnung, die mir während der 15 Jahre meines Mandates stets in reichstem Masse entgegengebracht wurde.
[…]“ Aufgrund seiner demokratischen Einstellung war Kunschak ein Gegner der Heimwehr und von Engelbert Dollfuß. Weil er mit Dollfuß’ Kurs zur Einrichtung einer autoritären Verfassung nicht einverstanden war, schied er 1933 aus der Parteileitung aus.[1] Er war auch gemeinsam mit Johann Staud der wichtigste politische Exponent des Freiheitsbundes und trat während der Februarkämpfe 1934 als Vermittler zwischen den Parteien auf. Im autoritären Ständestaat gehörte er dem Staatsrat an und arbeitete ab 1935 in der Sozialen Arbeitsgemeinschaft, einer Organisation, mit der die Arbeiterschaft für die Vaterländische Front gewonnen werden sollte. Nach dem „Anschluss Österreichs“ an den NS-Staat im März 1938 wurde Kunschak seiner Ämter enthoben und für zwei Monate inhaftiert. Nach seiner Entlassung wurde er polizeilich überwacht, 1944 wurde er erneut verhaftet..
